Kevin O' Day: "Metamorphosen"
In die Stille des Beginns hinein tanzt hinten auf der Bühne jemand in Mantel und Hut. Knips, das Handtäschchen zu – die Sitznachbarin hatte eben noch ihre Freundin gewarnt: Die Musik wird sehr laut! «Schrecklich» meint später ein anderer. Geht das Publikum in Mannheim ins Ballett trotz der Musik? Man könnte auch ihretwegen hingehen: Drei berückende Werke, neu und fast neu, hervorragend musiziert vom Nationaltheaterorchester und Horus Piano Duo. Voller Bewegung in den Tönen, mit Bögen, Wegen, Wechseln. Kevin O’Day unterwirft sich dem nicht.
Man hört einander zu, aber denkt sich seinen Teil.
Seine «Igor Poems» für acht Tänzer dichtete er 2004 fürs Stuttgarter Ballett: John Kings «SlipStream» für acht Blechbläser echot Strawinsky-Rhythmen. Die Töne schlagen immer schneller, überholen einander, das Pulsieren wird zum unwirklich elektronischen Flackern aus den Lautsprechern. Das leicht Irre tangiert die Tänzer nicht, die ständig in Bewegung sind. Mal hier ein Pas de deux, mal dort ein Dreier, Vierer oder Solo. Klassisches Bewegungsrepertoire – auf Spitze – zeigen und was man an schwierigen Sprüngen und Pirouettenendungen dazu erfinden und locker mit gespreizten Fingern, abknickenden ...
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