keiner hilft keinem

Wie nützlich ist Solidarität in der Tanzszene wirklich? Hilft sie den Theatern, den Künstlern? Oder nur den Netzwerken?

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Wir schreiben das Jahr 1984, es ist kalt in Graz. Es wird viel geraucht und getrunken in der Likörstube Haring. Die Gespräche dauern, am nächsten Tag ist das meiste wieder vergessen – die Skizze, die auf dem Heimweg verloren ging, das politische Statement, das über Stunden die Köpfe erhitzte. Eine solche Debatte gab es auch über die italienische Mafia und deren berüchtigte Loge P2. Jemandem fiel ein, dass Künstler genauso eine Mafia brauchten, auch so eine Loge.

Und weil es in Deutschland die Baader-Meinhof-Gruppe gab, die Lord Jim verehrt haben soll, einen Romanhelden von Joseph Conrad, einen Träumer und Versager, wurde kurzerhand die Lord-Jim-Loge gegründet. Es war ein historischer Moment, an dessen genaues Datum sich niemand mehr erinnert.

Verbürgt hat ihn der Künstler Jörg Schlick. 1985 konzipierte der Galerist Alexander Bleich-Rossi in Graz eine Ausstellung mit Arbeiten von Wolfgang Bauer, Schlick, Albert Oehlen und Martin Kippenberger. Wie es das Schicksal so wollte, fanden die vier sich in der Likörstube Haring wieder und erinnerten sich an die Idee von der Loge. Auf einen Zettel kritzelten Oehlen und Kippenberger ein Signet mit Sonne und Hammer. «Es hatte ein wenig nach ...

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Tanz April 2011
Rubrik: ideen, Seite 60
von Arnd Wesemann

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