Katja Erdmann-Rajski
Glenn Gould habe sich die Musik zuerst in seinem Inneren ertanzen müssen, notierte ein Kritiker über das Spiel des berühmten Pianisten. Wahrscheinlich liegt es an dieser besonders massiven Präsenz eines Künstlers in der von ihm interpretierten Musik, dass der Tanz an diesem Abend unsere Aufmerksamkeit nur schwer fesseln kann. Glenn Gould gilt das Interesse des neuen Tanzstücks von Katja Erdmann-Rajski, und der kanadische Tastenkünstler spielt, spricht und summt nicht nur vom Band, sondern zieht in der Person des Schauspielers Bernd Lindner von Beginn an alle Blicke auf sich.
«Glenn Gould oder Das Verschwinden der Musik» heißt die assoziativ verwobene Tanz-, Text- und Klangcollage, die in Stuttgart zur Uraufführung kam. Davon, wie ein Exzentriker hinter seiner Person die Musik zum Verschwinden bringt – und den Tanz gleich mit ihr –, wird 90 Minuten lang die Rede sein. Ein Stuhl links, ein Streifen Spiegelfolie rechts auf dem Boden: Mehr stellt sich dem Tanz in dem fast leeren Raum nicht entgegen. Doch die drei Tänzerinnen Julia Brendle, Parwanhe Frei und die Choreografin selbst sind kaum mehr als bewegte Hintergrundfolie für die packend gesprochene Erzählung vom einsamen Kerl, den ...
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