Juliette Binoche

Der französische Filmstar wird zur Tänzerin. Wie der britische Tanzmeister Akram Khan sie dazu verführen konnte.

Tanz - Logo

Stehle mich leise in einen Probenraum des National Theatre in London. Und bin sofort gefangen von der Szene, die mich empfängt: Juliette Binoche wirft sich wieder und wieder zu Boden, wütend, sie ist völlig außer sich, offenbar verwirrt. Und bricht zusammen, so anmutig wie ein fallendes Herbstblatt. Akram Khan in schwarzem Poloshirt und braunem Trainingsanzug hockt auf dem Boden, murmelt Anweisungen, lobt den französischen Filmstar und kommentiert ohne Unterlass. In diesem weiten, hohen, weißen Raum bewegt sie sich in schwarzer enger Hose, die schulterlangen braunen Haare offen.

Sie sieht dünner denn je aus, mit wunderschönen Wangenknochen und fast durchsichtiger Haut.

Der Regietisch steht längs zum Raum. Ich setze mich still auf den mittleren Stuhl, um Khan und Binoche besser beobachten zu können. Das Erste, was mir auffällt: Binoche sieht nicht aus wie eine Schauspielerin, die daran arbeitet, eine Tänzerin darzustellen. Die 44-Jährige ist eine Tänzerin, völlig aufgesogen von ihrer Bewegung. Dass ihre Bewegungen so fließend und selbstsicher sind, zeigt, wie gut es Khan gelungen ist, ihr schlummerndes Talent herauszulocken. Sie schnellt dramatisch vor, sie beugt sich zurück wie eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2008
Rubrik: Portrait, Seite 4
von Mike Dixon

Vergriffen
Weitere Beiträge
Liebe, Tod und Teufel

Die Werbekampagne des Berliner Staatsballetts für die just begonnene Saison zeigt stürmisch aufgepeitschtes Meer, nebelumfangene Wälder, schroffe Felsen, wild-leidenschaftliche Natur. Motive wie von Caspar David Friedrich, dem deutschen Romantiker, dem das Gefühl Gesetz war. Dazu fordert die klassische Kompanie auf: Lasst Euch aufwühlen – von der Kultur. Das geht...

In Schnee

In Luzern regnet es dreihundertmal im Jahr. Das sagt der große Luzerner Sohn, Künstler und Wahrheitsfinder Hans-Peter Litscher. Er sagt die Wahrheit. Es will nicht aufhören mit dem Wolkenbruch bei der Eröffnung des Festival Lucerne. Alles rettet sich unter das riesige Dach: Bäche umfließen schnurgerade das Foyer, das Jean Nouvel zum Vierwaldstätter See hin...

Meg Stuart

Wenn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht und die Flut droht, wird man in Meg Stuarts Geburtsstadt mit Jazz und dem Geruch frisch gekochter Garnelen empfangen. Bei Sonnenuntergang: Dixie und französische Sprache. In der Nacht: Freizügigkeit und strenger Katholizismus. Mittendrin in New Orleans wohnen die Unsichtbaren, die Geister der Verstorbenen. Sensible...