Juliette Binoche
Stehle mich leise in einen Probenraum des National Theatre in London. Und bin sofort gefangen von der Szene, die mich empfängt: Juliette Binoche wirft sich wieder und wieder zu Boden, wütend, sie ist völlig außer sich, offenbar verwirrt. Und bricht zusammen, so anmutig wie ein fallendes Herbstblatt. Akram Khan in schwarzem Poloshirt und braunem Trainingsanzug hockt auf dem Boden, murmelt Anweisungen, lobt den französischen Filmstar und kommentiert ohne Unterlass. In diesem weiten, hohen, weißen Raum bewegt sie sich in schwarzer enger Hose, die schulterlangen braunen Haare offen.
Sie sieht dünner denn je aus, mit wunderschönen Wangenknochen und fast durchsichtiger Haut.
Der Regietisch steht längs zum Raum. Ich setze mich still auf den mittleren Stuhl, um Khan und Binoche besser beobachten zu können. Das Erste, was mir auffällt: Binoche sieht nicht aus wie eine Schauspielerin, die daran arbeitet, eine Tänzerin darzustellen. Die 44-Jährige ist eine Tänzerin, völlig aufgesogen von ihrer Bewegung. Dass ihre Bewegungen so fließend und selbstsicher sind, zeigt, wie gut es Khan gelungen ist, ihr schlummerndes Talent herauszulocken. Sie schnellt dramatisch vor, sie beugt sich zurück wie eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor acht Jahren machte der australische Choreograf Garry Stewart aus «Schwanensee» ein athletisches «Birdbrain», das auf der ganzen Welt gefeiert wurde als die zeitgenössische Interpretation schlechthin. Mit einer «non-linearen Re-Komposition» ist nun «Giselle» dran, kurz . Es entstand beim letzten Adelaide Festival of Arts mit Hilfe des Joyce Theater in New York,...
Rasta Thomas, der sanfte Ballett-Rebell, wurde 1981 in San Francisco geboren, wuchs in Saudi-Arabien auf, wurde in Washington ausgebildet, wo er mit 13 Jahren als Jüngster den Paris International Ballett Competition gewann. Mit seiner Gruppe Amazing Boys of Dance präsentierte er soeben im Hamburger St. Pauli-Theater die Premiere seiner Tanz-Show «Rock The Ballet».
...Die Zeit stirbt nie. Der Kreis ist nicht rund. Diese Worte verbinden London mit Mazedonien in einem der besten Filme über den Bürgerkrieg in Jugoslawien, «Before the Rain» von Milcho Manchevski (1994). Ein Kriegsfotograf mischt sich an der Grenze in einen Konflikt ein. «I have to take sides.» Er habe keine Wahl, sagt er, und wird vom eigenen Bruder erschossen....
