Jule Flierl
Im vergangenen April stellte eine junge deutsche Sängerin, Tänzerin und Choreografin in Brüssel ihr Stück «Störlaut» vor. Der Titel könnte exemplarisch für das stehen, was Jule Flierl ist und tut – nur dass sie ihr Publikum nicht aus bloßer Konfrontationslust «stört» bzw. verstört, sondern aus einem ganz anderen Grund: Flierl gehört zu jener seltenen Spezies von Performern, die nichts für selbstverständlich nehmen, sondern stattdessen lieber alles selber ausprobieren.
Zu welchen Erkenntnissen sie dabei gelangt?
Als ich zum ersten Mal eine Arbeit von Jule Flierl sah, hatte sie sich Christoph Willibald Glucks «Orpheus» vorgenommen. Der Mix aus romantischen Posen und bauchrednerischem Gesang war vorzüglich, man wähnte einen Geist auf der Bühne. In «Störlaut» dagegen geht es um das Werk von Valeska Gert. Flierl zeigte sich enttäuscht angesichts des historischen Filmmaterials, das sie vorfand – kaum mehr als lärmige Cabaret-Szenen. Was nichts daran änderte, dass Valeska Gert die erste Tänzerin war, die mit Gesang experimentierte, mit Stimmeinsatz im Dienste des Tanzes. Ähnlich wie Jule Flierl selbst, die das historische Material mit ihren ganz eigenen – mal leicht brutalen, mal ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 159
von Pieter T‘Jonck
«I was very into it and never really part of it», so beschreibt Katerina Andreou ihre Beziehung zum Ballett- und Klavierstudium, dem sie sich bis Anfang 20 widmete. Dieses Teilhaben aber nicht Teilsein hat sie beibehalten. Nicht umsonst heißt ihr letztes Stück «BSTRD»: ein Bastard ohne Vokale, ein Körper ohne Seele. Was gehört zu mir? Was kann ich mir aneignen?...
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