john scott
Sein Vater war Beleuchtungsmeister und brachte den jungen John ab und zu auf die Hinterbühne von Dublins Abbey Theatre. Ob der Junge nun hinter den Kulissen saß oder vorn im Zuschauerraum: «Für mich gab es keine Trennung zwischen Publikum und Bühne. Was auf der Bühne geschah, hatte für mich auch nichts Magisches. Es war eher, als säße man genau hinter der Tür, durch die man gerade hindurchgegangen war.»
Andere entdecken im Theater den Prinzen oder die Prinzessin in sich – John Scott blieb nüchtern. Man sieht es noch heute seinen Choreografien an.
Die Bühnenwelt gleicht bei ihm aufs Haar der Welt jenseits der Bühne. Er will niemandem etwas vorgaukeln. Illusionen macht man sich schon selbst genug. Er findet, dafür brauche man keine Theater. Sicher hätten die frühen Kindheitseindrücke seine Ästhetik mit beeinflusst, sagt er; doch genauso wichtig waren ihm Begegnungen mit Meredith Monk, Pablo Vela, Thomas Lehmen oder Sara Rudner. Wie sie kam auch er erst spät zum Tanz, tat seine ersten Schritte im semiprofessionellen Dublin City Ballet, als 22-Jähriger, der plötzlich vor Anna Sokolow tanzen sollte.
«Beim Dublin City Ballet gab es viel Klassik, aber als Anna Sokolow auftauchte, sah ich ...
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Tanz Mai 2011
Rubrik: menschen, Seite 22
von Michael Seaver
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