Johannes Wieland: «Tanzabend I»
Er tanzte als Halbsolist an der Berliner Staatsoper und als Solist bei Maurice Béjart, wurde mit dem John-Neumeier-Stipendium gefördert, studierte an dessen Schule, absolvierte eine Choreografenausbildung in New York, wo er auch eine eigene Gruppe gründete. Technisch steht er also sicher auf zwei Beinen, um in seiner zweiten Spielzeit als Tanzdirektor in Kassel eine sauber trainierte 14-köpfige Kompanie zu präsentieren.
Das spricht für den Ballettmeister Wieland, der, 2004 mit dem Kurt-Jooss-Förderpreis ausgezeichnet, sich als solcher heftig nach seinem einstündigen Tanzabend I feiern ließ – einem Abend, der allein durch die Pause auf eine akzeptable Länge gestreckt wurde.
Das Hauptstück, Strawinskys «Le sacre du printemps», gilt als denkbar gewichtiger Brocken, an dem sich fast jeder Choreograf, der auf sich hält, einmal im Leben verheben muss. Doch wie dieses Stück von nur 40 Minuten Dauer ergänzen? Der Tanzabend steht unter dem Kasseler Spielzeit-Motto: «Familie und andere Grausamkeiten». Er nimmt jüngste Diskussionen zum Anlass, Familie als Mythos und Politikon künstlerisch zu hinterfragen. Dem «Sacre» stellt er ein Präludium voran, «Portrait» genannt. Wieland hat, so ist im ...
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