jean-luc nancy

Zum Tanz kam er quasi durch die Hintertür. Heute ist der Philosoph einer der höchst gehandelten Denker der Gegenwart, wenn es um Körper und Bewegung geht. Die Sinnfrage kontert er mit einer radikalen Offenheit für das Erlebnis

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«Ich habe gar nicht so viel über Tanz geschrieben.» – «Aber, Monsieur Nancy, kein anderer lebender Philosoph hat meines Wissens so viel zum Thema geschrieben wie Sie!» – «Das viele ist doch im Vergleich eher wenig: Wenn andere an mich denken, dann im Zusammenhang mit Fragen der Gemeinschaft, der Dekonstruktion des Christentums, der Musik, Malerei, der Künste generell…» – «Nur haben Sie, soweit ich weiß, nie geschrieben: Wenn ich denke, singe oder male ich. Sondern: Wenn ich denke, tanze ich.» «Stimmt, das hat mir bisher niemand gesagt.

Ja, in meinem Leib hat der Tanz schon immer begonnen.»

Bewegen, Tanzen, Denken: Wo sind die Überschneidungen, die Kongruenzen, wo die Unterschiede und Übergänge? Eine Frage, der in den letzten Jahren immer öfter Wissenschaftler, Philosophen und Tänzer gemeinsam nachgehen. Alva Noë sitzt mit William Forsythe auf Podien, Jacques Rancière befasst sich mit Aufführungen von Latifa Laâbissi, und nicht nur Alain Badiou reflektiert über den Tanz als Metapher für das Denken. Aber niemand hat sich weiter vorgewagt als Jean-Luc Nancy in «La danse en solo» (2002): «Ohne jede Trickserei oder Vereinfachung kann ich sagen, wenn ich denke, tanze ich.» Doch auf ...

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Tanz November 2012
Rubrik: menschen, Seite 26
von Thomas Hahn

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