Ivan Liška
Für mich ist Heimat natürlich mein Geburtsland, die Tschechoslowakei, und: ihre Landschaft, ihre Sprache (Tschechisch und Slowakisch), ihre Literatur (Karel Čapek, Jaroslav Seifert, Bohumil Hrabal, Milan Kundera), ihre Musik (Antonín Dvořák, Bohuslav Martinů, Leos Janáček), ihre Volks-tänze und die Malerei (František Kupka, Josef Šíma, Jan Koblasa, Zdeněk Sýkora). Dazu gehört auch der Erfindungsgeist, der Humor – aber auch der Neid. Und diese Heimat ist auch charakterisiert durch ein Übermaß an fehlender Ethik im Politischen.
Heimat ist für mich auch: Deutschland.
Das Land, in dem meine Söhne geboren worden sind! Und Heimat waren immer die Theater, an denen ich auftreten konnte und gelebt habe. Fünf Jahre Düsseldorf, drei Jahre München, zwanzig Jahre Hamburg und achtzehn Jahre als Ballettdirektor, wieder in München. Das Land meiner Geburt verließ ich absichtlich und bewusst. Aber ohne die Kraft dieser Heimat wäre ich in der Emigration nicht selbstbewusst, entschlossen und mutig gewesen. Gerade der Verlust meiner Heimat – also die Unmöglichkeit einer Rückkehr – hat mich gestärkt. Die Heimat fehlte. Aber ich fand dafür Freiheit: persönliche, politische, künstlerische Freiheit.
Me ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 111
von Ivan Liška
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Rudol’f Chametovič Nuriev, so lautet sein Name in wissenschaftlicher Transliteration, ist ein Inbegriff der Heimatlosigkeit. Sie beginnt beim Namen. Im Tatarischen, der Sprache seiner Eltern, fand er nie Verwendung: Рудольф Мөхәммәт улы Нуриев oder Rudolf Xämät ulı Nuriev. Wobei noch immer ungeklärt ist, welchem Alphabet der Vorrang gebührt, dem kyrillischen oder...
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