Schicksalsnacht

Andrey Kaydanovskiy choreografiert Puschkins «Der Schneesturm» in München.

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Eine Ballettfestwoche im Zeichen von 30 Jahren Bayerisches Staatsballett – das ist schon eine Uraufführung wert. Andrey Kaydanovskiy, nach zwei Würfen Hauschoreograf der Kompanie, durfte ran. Er gehört zur heute seltenen Choreografen-Spezies, die erzählen will. Und er kann es – wenn auch nicht nach gewohnten Konventionen. Er wählte für sein erstes abendfüllendes Ballett in München Alexander Puschkins merkwürdig opake Erzählung «Der Schneesturm» (1831), nun getanzt als Livestream.

Im «Schneesturm» finden am Ende die «Richtigen», Marja und Burmin, zusammen, die einander versehentlich bereits schon früher angetraut worden sind. Denn Marjas Liebe galt erst einmal dem nicht standesgemäßen Fähnrich Vladimir, den sie heimlich zu heiraten gedachte. Doch der titelgebende Schneesturm löst eine kafkaeske Irrfahrt Vladimirs aus, ebenso wie Marjas versehentlichen Ringtausch mit dem zufällig in der Kirche anwesenden Burmin.

Der Schneesturm also wirbelt einen Lebensplan durcheinander und stellt die Weichen für anscheinend Vorbestimmtes. Dieser Subtext der Erzählung ist es, der Kaydanovskiy interessiert. Er meidet nicht nur deshalb jede stilistische Historisierung, bedient sich einer zeitgemäßen ...

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Tanz Juni 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Eva-Elisabeth Fischer

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