Ikonografie der Weiblichkeit

Stephanie Thiersch: «Under Green Ground» in Düsseldorf

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Eine Frau hat viele Gesichter, je öffentlicher die Frau, desto mehr. Vor der Kamera bedient sie das kollektive Bildergedächtnis: die lächelnde Politikerin, das laszive Mannequin, die Rocksängerin, die die Zähne bleckt. Man kennt das. Aber was ist vorher, was nachher? Wie wahr, wie manipulierbar sind die Bilder? Die Kölnerin Ste­phanie Thiersch, bekannt durch ihre somnambulen Multimedia-Arbeiten, in denen sie filmische Fiktion und Live-Aktion miteinander verbindet, kre­iert erstmals ein reines Tanzstück. «Under Green Ground» ist ein Ballett, choreografiert wie ein Film.

Ein Solo, das eigentlich ein Quartett ist. Die bewegte Frau heißt Alexandra Naudet, Tänzerin bei Philippe Decouflé.
Sie verkörpert die Ikonografie der Weiblichkeit in allen Facetten, geräubert aus Kunstgeschichte, Modewelt und Alltag. Im tanzhaus NRW ist sie Tableau vivant und Tänzerin, Model und Madonna, Hure und Heilige, Amazone und Anarchin, Botticellis «Venus» und Manets Nackte aus «Frühstück im Freien». Stephanie Thiersch baut diese Figuren in Zeitlupe auf, lässt die eine aus der anderen erwachsen oder demontiert die schöne Fassade, bis nichts als eine traurige Frau übrig bleibt, ein stummer Schrei. Die Ikone ...

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Tanz Mai 2005
Rubrik: On Stage, Seite 52
von Bettina Trouwborst

Vergriffen
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