Ich bin schön
Der Tanz, der – anders als bestimmte Sportarten – Bewegung und Ausdruck konzeptionell verbindet, ist eigentlich prädestiniert für die Prägung positiver Selbst- und Körperbilder. Allen voran der zeitgenössische Tanz hat in den letzten Jahren gezeigt, dass Body Positivity und der Wunsch nach mehr Diversität nicht nur als gesellschaftliches und mediales Thema verhandelt wird, sondern in der Bewegungskunst angekommen ist.
Body Positivity, ursprünglich eng mit den sozialen Medien verknüpft, setzt auf die Abschaffung unrealistischer und diskriminierender Schönheitsideale – durch Aufklärung und Reflexion. Jede*r soll selbst entscheiden dürfen, was schön ist. Zu den Leitgedanken der Body Positivity zählen das Wohlgefühl im eigenen Körper und die Akzeptanz seiner Eigenheiten. So sehen wir heute alte Tänzer*innen, Tänzer*innen mit körperlichen Einschränkungen, Tänzer*innen aller Konfektionsgrößen, Nationalitäten und Hautfarben auf der Bühne. Auf der anderen Seite erleben wir – vor allem im klassischen Ballett – Diskussionen über physische und psychische Belastungen bis hin zum Kollaps. Hier, so der Eindruck, werden häufig noch Ideale angestrebt, die zu ungesunden und im schlimmsten Fall ...
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Tanz Oktober 2022
Rubrik: Praxis, Seite 60
von Lilith Borchert
Wim Vandekeybus erscheint auf der Bühne und beginnt sofort zu erzählen. Von einem Gastspiel seiner noch jungen Kompanie Ultima Vez in einem ehemaligen Gefängnis. Einst war Helena, die Hauptstadt des US-Bundesstaats Montana, ein Brennpunkt des Goldrauschs. Und diese Stadt empfing Ultima Vez beim Gastspiel von «Les porteuses de mauvaises nouvelles» (1989) mit einer...
Biografie
WILLY PAPE AKA VOO DOO Die Vorstellung, dass es zahllose spannende Schicksale gibt, die sich wie das von Willy Pape alias Voo Doo im Ungefähren verlieren, ist gespenstisch. Was ließe sich nicht alles erzählen über Menschen, die unbeirrt ihren Weg gingen und bürgerliche Tabus brachen, um die eigene Identität nicht zu verraten – und Kunst zu machen,...
«Revenge», «Rache» leuchtet als blutrote Leuchtinstallation auf Ligia Lewis’ Bühne und gibt die Haltung vor: Wut auf die Gewaltgeschichte von Rassismus, Kolonialismus, Sklaverei treibt Lewis an, was – wie sie in ihrem jüngsten Stück demonstriert – ihr gewissermaßen genealogisch eingeschrieben ist. Schon die Urgroßmutter war eine schwarze Widerstandskämpferin und...
