Hoffnungsträger: Ursina Tossi
Die gebürtige Heidelbergerin ist 46 Jahre- alt, ausgebildet unter anderem in Ludwigshafen und Arnhem, ausgezeichnet beim Wiener «ImPulsTanz»-Festival und eine Zeitlang als Residenzchoreografin auf Kampnagel in ihrer Wahlheimat Hamburg angesiedelt, wo sie – genau wie in NRW – mehrfach und erfolgreich eigene Arbeiten gezeigt hat. Auf ihrer Homepage bezeichnet sie sich außerdem neben «dance artist» und «choreographer» auch als «feminist», «friend & lover», «mother» und «researcher».
Richtig durchstarten konnte Tossi erst in der vergangenen Saison: mit «Blue Moon», einem so lustvollen wie bösen Stück, das den Mythos des Werwolfs (beziehungsweise in diesem Fall: der Werwölfin) feministisch anreicherte. «Blue Moon» entwickelte sich so zur Feier des Begehrens, des Hungers und der Lust, die sich in Keuchen, Schnaufen, Scharren manifestierte. Und in übergriffigem Verhalten gegenüber dem Publikum, im Schnappen und Stoßen: Tanz, wie Tossi ihn versteht, ist auch eine gefährliche Kunst. Und schon alleine weil sie einem diese der Kunst innewohnende Gefährlichkeit mal wieder in Erinnerung gerufen hat, macht einem Ursina Tossi Hoffnung; dass Stücke wie «Blue Moon» darüber -hinaus auch noch ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 175
von Falk Schreiber
Zuerst dachte ich – nein, ich habe keinen Glücksbringer, den ich immer dabei habe, wenn ich eine Vorstellung tanze. Ich habe den Theater-Aberglauben hinter mir gelassen, als ich 1989 das Landestheater Castrop-Rauxel verließ, um Neuen Tanz in Arnheim zu studieren.
Gleichzeitig steckte ich aber in den Vorbereitungen für mein neues Solo «triton tanzt. twisted...
Er ist 70 Jahre alt. Ein Hoffnungsträger? Er trägt jedenfalls seine Bühnenstücke in die Theater und zum Publikum hin. Wie Pakete. Die packt er aus. Dann gibt er etwas ab. Was und wie man ihm das abnimmt, ist die Frage, immer wieder. Ob man mehr als zuschaut, nämlich hinschaut. Vielleicht gar aufschaut.
Hoffnung ist ein zu kleiner oder zu einfacher Begriff für das,...
Ich habe tatsächlich ein kleines Ritual vor Auftritten, die mir in kürzester Zeit viel Kraft und künstlerische Aussage abverlangen. Ich murmele dann kurz vor dem Auftritt den Vers: «An schaurigen Riffen zerschellt der purpurne Leib» – aus dem Gedicht «Klage» von Georg Trakl. Obwohl dieser Vers eher düster und verzweifelt klingt, kommt er mir wie ein Schlachtruf vor...
