Highlights 4/24
Schweiz
FORDLANDIA/ATONEMENT/STEPS
Im April ist die Schweiz tanzsatt. Und zwar einerseits wegen bemerkenswerter Premieren, bei denen sich (mehr oder weniger) neu ins Amt gekommene Theaterleitungen mit eigenen Arbeiten präsentieren. So ist am 6. April die Premiere von «Fordlandia», eine Choreografie des neuen Tanzchefs Frank Fannar Pedersen in St. Gallen (tanz 7/23);
ch In Zürich derweil zeigt die neue Direktorin Cathy Marston (tanz 3/22) mit «Atonement» eine erste Uraufführung. Premiere ist am 28. April; www.opernhaus.ch
Und wer ein bisschen tiefer ins Zeitgenössische eintauchen möchte, für den findet vom 24. April bis 19. Mai das «Steps»-Festival statt, wie immer überall im Land, von St. Gallen bis Genf, von Schaffhausen bis Bellinzona. Dieses Jahr unter anderem mit Arbeiten von Mette Ingvartsen, Alan Lucien Øyen und Saburo Teshigawara; www.steps.ch
Göteborg
VAULTS OF HEAVEN
Es gibt nicht so viele Allrounder im choreografischen Gewerbe, die sich auf Ensembles verschiedenster stilistischer Provenienz einlassen können. Yoann Bourgeois gehört dazu, weil sein vom Cirque Nouveau (S. 48) geprägtes Werkzeug im Grunde universell kompatibel ist. Jetzt bringt er es bei GöteborgOperans Danskompani in Anschlag, um mit «We Loved Each Other So Much» die eine Hälfte des Doppelprogramms «Vaults of Heaven» zu bestreiten. Die andere steuert Emma Portner bei – die junge Kanadierin, die sich vom Geheimtipp längst zur Geheimwaffe gemausert hat: gegen Langeweile auf der Bühne. In Portners Portfolio liegen Netflix-Aufträge neben Guggenheim-Kommissionen und einer Kreation beim Norwegischen Nationalballett. Also verspricht auch ihr «Forever, maybe» interessante Perspektiven! Vom 12. April bis zum 7. Mai; www.opera.se
Stuttgart
BALLET REUNION GALA
Es gibt kaum was Schöneres als ein vertrautes Wiedersehen nach sehr vielen Jahren. 2013 bescherte sich das Hamburg Ballett eine Fete mit einstigen Mitgliedern der Kompanie, am Stuttgarter Theaterhaus finden sich jetzt Tänzerinnen und Tänzer zusammen, die in der Neckarstadt ansässig waren – beim Stuttgarter Ballett. Zur «Ballet Reunion Gala» verschlägt es Wahlberliner*innen wie Elisa Carrillo Cabrera und ihren Gatten Mikhail Kaniskin ebenso ins Ländle wie Hyo-Jung Kang, die aus Wien angereist kommt. Dazu gesellen sich Stargäste, allen voran Igone de Jongh, Hans van Manens langjährige Muse. Und der Nachwuchs ist mit Gauthier Dance Juniors vertreten. Klingt nach: feinem Programm! Theaterhaus, 25. April; www.theaterhaus.com
Frankfurt/Dresden
Die Dresden Frankfurt Dance Company sucht noch ein bisschen nach der eigenen Position, seit Ioannis Mandafounis die künstlerische Direktion innehat. Die aktuelle Premiere verzichtet dabei auf eine Choreografie des neuen Hausherrn: «Wesenwelt» stammt von Kristin Ryg Helgebostad, die bislang mit forciertem Zeitgenossentum vor allem in ihrer Heimatstadt Oslo auffiel, «Warpscapes» von dem rumänischen Choreografen Sergiu Matis, der hauptsächlich in Berlin arbeitet. Was man jedenfalls konstatieren kann: Mit dieser Personalpolitik baut Mandafounis konsequent auf eine heutige Tanzästhetik, die sich nicht auf den Lorbeeren der eigenen Vergangenheit ausruht, sondern die Kompanie an der Spitze der Gegenwart positioniert. In Frankfurt, Bockenheimer Depot, vom 26. April bis 5. Mai; in Dresden, Festspielhaus Hellerau, vom 17. bis 26. Mai; www.dfdc.de
Karlsruhe
SAITEN/SPRÜNGE
Es ist immer wieder bemerkenswert, welche inhaltlichen Verrenkungen Tanzdramaturg*innen unternehmen, um Triple Bills halbwegs sinnlich zu betiteln. Die Karlsruher «Saiten/Sprünge» sind da noch eines der originelleren Beispiele: Zu sehen sind drei freilich tänzerisch wie charakterlich bemerkenswert unterschiedliche Choreografien zu Kammermusik für Streicher, es wird also zu Saitenklang gesprungen. Und zwar mit «Requiem for a Rose» von Annabelle Lopez Ochoa zu Franz Schubert, dem modernen Klassiker «Grosse Fuge» von Hans van Manen zu Beethoven und als Uraufführung «Water Me» von Newcomer Mthuthuzeli November (tanz 1/24), der die Musik für Streicher und Schlagzeug gleich mit verantwortet. Premiere ist am 27. April, weitere Aufführungen am 4., 11. Mai, 2., 22., 25., 27. Juni, 5. Juli; www.staatstheater.karlsruhe.de
Straßburg/Mulhouse
BALLET DU RHIN
Alles andere als launisch fällt der Tanz-April im Elsass aus, wo das Ballet du Rhin gleich mit mehreren Glanzlichtern aufwartet. Zunächst zeigt die Truppe in der Opéra Straßburg vom 2.–7. April Bruno Bouchés Bühnenadaption eines Kinoklassikers von Sydney Pollack: «On achève bien les chevaux» («Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß») kreist um einen Tanzmarathon – zart, gewalttätig, der Welt enthoben. Großartige Kollektivkunst. Am zweiten Spielort – La Filature in Mulhouse – trifft die Kompanie mit zwei Gastensembles zusammen, um gemeinsam «Ballets européens au XXIe siècle» zu feiern. Mit von der Partie sind das Norwegische Nationalballett und das Ballet Preljocaj. La Filature, 17. April; www.operanationaldurhin.eu
Tanz April 2024
Rubrik: Kalender, Seite 32
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Das literarische Genre True Crime ist höchst populär und auf allen medialen Kanälen verfügbar. Demis Volpi, scheidender Chef des Ballett am Rhein, hält die Gattung, die reales Leid als Unterhaltungsstoff verkauft, für sehr fragwürdig. Für seinen neuen Abend «True Crime», der das Phänomen kritisch beleuchtet, fand er zwei Gleichgesinnte: Andrey Kaydanovskiy und die in Deutschland noch...
SPIN
Wenn kleine Kinder das erste Mal tanzen, dann drehen sie sich im Ringelreihen. Wenn eine Katze sich schlafen legt, macht sie eine eigenartig anmutende Drehbewegung. Und wenn die Wiener Gesellschaft im Walzerschritt wiegend kreiselt … Es wird deutlich, wo diese Argumentation hinführt. Drehungen sind ein wichtiges Element des Tanzes, eine ungerichtete, spielerische Bewegungsabfolge,...
