Herzliches Beileid
Herzliches Beileid flötet die Nachbarin, kaum ist der Sitzplatz in der Orangerie von Schloss Sanssouci gefunden. Noch ehe ich der Kondolenz auf den Grund gehen kann, weist ihre Hand auf die Reihe vor uns. Da, genau in der Sichtachse, sitzt eine schwarzhaarige Dame mit – ungelogen! – mindestens 60 Zentimeter hoher Turmfrisur. Sehr unwahrscheinlich, dass ich angesichts dieses Kopfputzes überhaupt etwas zu sehen kriege von dem Barockspektakel, das hier gleich stattfinden wird.
Bleibt nur die Möglichkeit, rechts oder links an dem Aufbau vorbeizulinsen, um zumindest ein paar Eindrücke zu erhaschen. In der Pause kann ich mir nicht verkneifen, die megatoupierte Besucherin anzusprechen: «Pardon, darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass Ihre Haartracht das Theatervergnügen für die Hintermänner und -frauen optisch beeinträchtigt?» Grollend rollende Augen, dann die Antwort: «Ist ja wohl nicht mein Problem.»
Okay, im Berliner Einzugsgebiet ist der Umgangston bekanntlich rau. Aber man kommt nicht umhin festzustellen, dass der Benimm in deutschen Theatersälen generell schon mal besser war. Von wegen Gemeinschaftsgefühl im Parkett: Nicht wenige Besucher betrachten den Kauf eines Tickets ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2018
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von Dorion Weickmann
Das gesprungene Wort
Das Wort hat zunächst Vaslav Nijinsky. Am Ende singt Leonard Cohen «Dance me to the end of love». Dazwischen aber ist immer wieder nachdenklich
Judith Kuckart (Foto: Laima Chencelli) zu hören. Man kennt sie als Schriftstellerin, vielfach ausgezeichnet. Dass sie als 15-Jährige einmal Pina Bausch vorgetanzt, dass sie jahrelang das TanzTheater...
Ekstase
Feuerrot vom Scheitel bis zum Kleidersaum, so hat Otto Dix die berühmt- berüchtigte Zwanzigerjahre-Ikone Anita Berber verewigt. Rund um dieses und andere Gemälde, etwa von Ferdinand Hodler, Francisco de Zurbarán oder Lovis Corinth, präsentiert das Stuttgarter Kunstmuseum eine Schau, die auch den ekstatischen Momenten des Tanzes nachspürt Lovis Corinth,...
Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass der langjährige Artistic Director des New York City Ballet, Peter Martins, wegen mutmaßlicher körperlicher Übergriffe gegenüber Schutzbefohlenen von seinen Leitungspositionen zurückgetreten ist (tanz 1/18). Die Untersuchung führte seinerzeit nicht zu juristisch belastbaren Ergebnissen.
Nun sieht sich die New Yorker...
