Helena Waldmann: «BurkaBondage»
Am schönsten sind sie, wenn sie fliegen. Wenn Vania Rovisco wie bei einem großen Lenkdrachen an Seilen zieht, die zu Yui Kawaguchi hoch oben unter dem Bühnenhimmel führen und die zierliche Japanerin zwischen weit ausgespannten Flügeln aus Fallschirmseide lächelnd durch die Luft schwimmt, ist das ein unbelasteter Moment von Freiheitsversprechen. Wenn später Kawaguchi hingegen Rovisco mit großer Behutsamkeit fesselt und sie am Ende sachte pendelnd an einem Seil schweben lässt, haben sich schon viel mehr Ambivalenzen in den erdabgehobenen Zustand gemischt.
Denn dem Schweben geht eine Auslieferung an die Partnerin voraus.
In «BurkaBondage», uraufgeführt im Haus der Berliner Festspiele, arbeitet die Regisseurin Helena Waldmann mit Bildern der Freiheitssuche und der Fesselung. Das Bühnenbild von Jochen Sauer hat dafür eindrückliche Chiffren gefunden: Fallschirmseide, die wie ein Meer über den ganzen Bühnenboden fließen kann oder eng wie ein Kokon gewickelt zum Ort des Rückzugs wird; einen an Gürteln aufgehängten Kubus, dessen Wände aus elastischen Bändern bestehen. Dieser Raum vibriert die ganze Zeit von den Daf-Schlägen des iranischen Musikers Mohammad Reza Mortazavi.
Manchmal ...
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