helena waldmann

Frei von institutionellen Navigationssystemen bleibt sie hart auf Kurs. Die Tanzregisseurin sorgt für politisch Brisantes, aktuell in «revolver besorgen» und ihrem «GlückStück»

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Ein altgedienter Portier am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden könnte sich noch an dieses sonderbare Mädchen erinnern. Es war in den frühen achtziger Jahren, als die meisten Abiturientinnen Knattermofa fuhren oder sich hinter schnieke Popper-Knaben aufs Moped zwängten. An Motorrädern herumzuschrauben war eindeutig boys’ business, weshalb die Zahl weiblicher Teenies, die sich sogar geländegängige Modelle unter den Hintern klemmten, bundesweit im Promillebereich gelegen haben dürfte. Helena Waldmann gehörte zu dieser Spezies.

Jeden Abend heizte sie mit ihrer Enduro durch die blank gewienerte Kurstadt zum Theater. Statt bürgerliche Weihespiele zu besichtigen, nahm die Gymnasiastin mit der bescheidenen Studiobühne vorlieb. Was sie binnen ein, zwei Stunden an Bildern auflas, wurde am nächsten Morgen, Punkt halb acht, im Französisch-Leistungskurs den Mitschülern präsentiert. Nie wäre ihr eingefallen, jemanden auf diese Theatertrips mitzunehmen. Helena Waldmann war gut unterwegs, mit sich allein da draußen in der Welt. So ist es immer noch.
 
Aufruhr in der Komfortzone
«Ein Kollektiv ist nicht mein Ding.» Sagt die Tanzregisseurin, die seit 20 Jahren nichts anderes tut, als eben: mit ...

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Tanz März 2012
Rubrik: menschen, Seite 22
von Dorion Weickmann

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