großbritannien: Colette Sadler: «I Not I»
Nichts ist langweiliger, als einem Experiment beizuwohnen, dessen Fragestellung man nicht kennt. Das gilt auch fürs Theater. Hier sind Experimente Synonym dafür, dass man ihnen nur beiwohnt, und ein bekannter Dramaturg wie Jeroen Peeters tief in die Trickkiste philosophischer Rhetorik fassen muss, um manipulativ einer Deutung vorzugreifen, die den Tanz nur schwängert, ohne ihn zu gebären. Man nannte das mal Konzepttanz.
Peeters und der Programmzettel machen auch diesmal ordentlich Bohei, aber wenn wir es mal weglassen, ist von der schottischen Choreografin Colette Sadler («The Making of Doubt» und «Musical») Folgendes zu sehen:
Zuerst ein kniefälliger Klempner. Der kniet auf dem Boden, sein rechter Arm pumpt. Er streckt seinen Arm. Er schraubt. Sein Arm verharrt. Der gelähmte Arm nimmt die Diagonale. Kniet wieder, pumpt die Elle auf und ab, die Finger fliegen, schlagen den Boden wie eine Stahlbürste. Hält inne. Beobachtet, wie sich der Vorhang hinter ihm sachte schließt. Aus den Lautsprechern dringt der Lärm geschlagener Rohre. Der Klempner bekommt Musik.
Jetzt zu dritt. Drei Männer sind eine Maschine. Salven von Schreibmaschinen, Rattern von Nähmaschinen, funkenschlagende ...
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Tanz März 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 52
von Arnd Wesemann
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