Helen Pickett «Lady Macbeth»
Hier hat die Frau die Hosen an. Obwohl sie noch nicht einmal einen Namen besitzt. Sie ist einfach nur Lady Macbeth. Die Böse schlechthin, so wird sie – einer Disney-Schurkin nicht unähnlich – eingeführt: mit einem rot sich bauschenden Segel im Rücken, dazu rudernden Armen auf einem Ausguck. Dieser erste Auftritt ist freilich schon der spektakulärste Moment im neuen, mit zwei Stunden inklusive Pause pro forma abendfüllenden Handlungsballett von Het Nationale Ballet in Amsterdam, uraufgeführt im April.
Helen Pickett, lange Jahre bei William Forsythe und der Wooster Group aktiv, inzwischen weltweit spezialisiert auf (mit dem Regisseur James Bonas entwickelte) Literaturballette, hat zu Shakespeares Vorlage wenig zu sagen. Auch ein Motiv für das grausame Handeln der Lady im Streben nach der Macht zeigt sie nicht auf.
Die etwas längere Hälfte des neuen Werkes erzählt eng an Shakespeares Drama entlang vom Mord an König Duncan, der Beseitigung des Rivalen Banquo (kraftvoll: Joseph Massarelli) und den Gewissenbissen von Macbeth bei seinem Krönungsbankett. Nach der Pause wendet sich das Stück stärker dem Wahnsinn der Lady zu. Man sieht sie in Zwangsjacke und sediert durch ihren Mann, ...
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Tanz 2025
Rubrik: Kalender, Seite 43
von Manuel Brug
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