Heldin der Favela

Lia Rodrigues packt 35 Jahre Kostümkreation in ihre Koffer und veredelt sie zu neuem Tanz. Ein Probenbesuch

Tanz - Logo

Im kommenden April feiert Lia Rodrigues ihren 69. Geburtstag. Ihre Tanzcompagnie existiert seit 35 Jahren. Zeit, sich zu erinnern, wie alles begann. Zeit, Bilanz zu ziehen. Und die Brasilianerin tut das nicht, indem sie ihre Memoiren veröffentlicht, sondern mit der Kreation eines Stücks, in das sie die gesamte Historie ihrer Compagnie einwebt. Und das ganz wörtlich, denn für «Borda» (tanz 7/25), das bei «Tanz im August» läuft, aber auch schon im Münchner Muffatwerk zu sehen war, leert sie ihren historischen Kostümfundus.

«In unserem Gepäck befinden sich alle Kleidungsstücke, die wir je auf der Bühne verwendet haben», erklärt sie, als sie Anfang Mai in Nantes im Studio La Libre Usine, nahe des Loire-Ufers, direkt nach dem umfangreichen Entleeren der Koffer zur ersten Beleuchtungsprobe ansetzt. «Es sind auch persönliche Kleidungsstücke von mir darunter», lacht sie. Und nicht nur das: «Wir verwenden auch die Windeln meiner Kinder.» Deren hat sie drei. «Die älteste, Diana, ist 43 und arbeitet als Produzentin. Mein Sohn Louis ist 39 und Übersetzer. Ines, 37, ist Pianistin und Komponistin.» Das mütterliche Gedächtnis manifestiert sich auch in zwei kleinen Babypuppen, die in «Borda» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2025
Rubrik: Tanz im August, Seite 14
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Vorschau tanz 8-9_25

red carpet
Alle Welt nennt ihn «Hofesh», und tatsächlich ist der Choreograf – Nachname: Shechter – schon drauf und dran, eine Nummer à la «Pina» zu werden. Jetzt hat er es auch ans Pariser Opernballett geschafft, wir inspizieren die Kreation namens «Roter Teppich»

constanza macras
Constanza Macras ist längst etabliert als eine der bedeutendsten Protagonistinnen der...

Selbstbewusst

In der Ankunftshalle am Dortmunder Hauptbahnhof ist meine Verabredung trotz des geschäftigen Treibens leicht zu identifizieren – und nicht zu übersehen. Mit 1,92 Meter fällt Jaš Otrin schon wegen seiner Größe auf. Dazu hat er sich, eine Säule im Rücken, mitten im Raum platziert und man erkennt an seiner augenfälligen Körperhaltung gleich den Tanzsolisten, auch 20...

Perfect match

Er liebt Quentin Tarantino, sie Filme aus dem «Disney»-Kosmos. Er isst am liebsten Hase, sie könnte sich von Eiscreme ernähren. Er möchte gerne Klavier lernen und interessiert sich brennend für Physik. Sie ist eine passionierte Handarbeiterin, «weil ich da am besten nachdenken, entspannen kann – wo wir sonst eigentlich immer auf Adrenalin sind». Seine wichtigste...