Hamlet
Lohnt es sich, Shakespeare zu vertanzen? Immerhin gibt es schon, sagt das Programmheft, circa 400 gelehrte Publikationen jährlich zum Problemkomplex «Hamlet». Klingt übertrieben. Trotzdem finden sich immer wieder Neudeutungsnischen.
Ähnlich ambitioniert interpretieren die schätzungsweise ein Dutzend europäischen Inszenierungen pro Saison «Hamlet» mal politisch, psychoanalytisch, lebensphilosophisch, als Parabel über das richtige Handeln im falschen Leben, das Leben als (Schau-)Spiel und Denkexperiment, die Kraft und das Unvermögen des Zauderns, feministisch, postfeministisch, postdramatisch und buchstabentreu – von Laurence Olivier bis Angela Winkler. Hat hier jemand Fallhöhe gesagt?
Kevin O’Day, der amerikanische Choreograf und Ballettchef in Mannheim, nennt eine sehr persönliche Motivation für sein jüngst in Stuttgart uraufgeführtes Handlungsballett. Es seien, auch biografisch inspiriert, die Erwartungen des Vaters an den Sohn. Sie lägen in unserer DNS, verfolgen uns bis ins Mark. (So erklären sich die Prospekte rings um Tatyana van Walsums porösen Königs-Saloon: Knochenstruktur unterm Mikroskop.) Hamlet zögert, wie wir wissen, vier Akte lang, um das Ungeheuerliche zu tun, die ...
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«I walk into a white room» – so fangen Albträume an. Eines jeden Malers, Musikers, Marketingstrategen. Man ersetze das leere Studio durch Bildschirm, Kochtopf, Labor oder Verkaufsgespräch, und bald schwitzen wir alle, wie beim ersten Rendezvous. Wir lieben ja unsere Arbeit, wäre da, ach, nur der ewige Kreativitätsdruck nicht.
Aller Anfang ist schwer
Twyla Tharp ist...
Sechs Jugendliche tanzen allein, jeder für sich. In ihrem Zimmer. Auf einer Wiese. In der Küche.
Auf den zweiten Blick, man ahnt es mehr, als dass man es sieht, haben all diese Jugendlichen einen «Migrationshintergrund». Wer dieses Wort je erfunden hat, wusste nichts von seiner Bedeutung. Wenn einer auszog, mit lateinischer Sprache auf den Lippen, als «migro», so...
Mit diesem Stück startete Johannes Öhman in seine neue Position als Intendant des Göteborgs Operans Balett. «Boléro», das berühmte Werk von Maurice Ravel, lässt er von gleich drei Choreografen umkreisen. Es beginnt mit «Episode 17»: Alexander Ekman macht mit Witz, Intelligenz und einer Prise Ironie da weiter, wo er mit «Okänd Art» (Unbekannte Spezies) 2006 für das...
