Hamburg: John Neumeier «Beet­hoven-Projekt»

Sein «Beethoven» sollte der größte sein. 1964 choreografierte Maurice Béjart «La IXe Symphonie» als eine «Ode an die Freude», die Menschen am Ende über alle Grenzen hinweg in einem grandiosen Gemeinschaftserlebnis einte. Mag sein, dass sich John Neumeier davon abheben wollte. Sein «Beethoven-Projekt», bei den «44. Hamburger Ballett-Tagen» erstmals vorgestellt, gibt sich anfangs kammermusikalisch karg, auf die «Eroica-Variationen» konzen-triert. Nur ein paar Stellwände von Heinrich Tröger sind zu sehen.

Davor ein Flügel, um dessen Fuß Aleix Martínez sich krümmt, als könnte ihm so die Komposition durch Mark und Bein gehen. Das tut sie denn auch auf Neumeier-Art, während Michal Bialk meisterhaft in die Tasten greift. Sich in Beethoven einfühlend, hilft Martínez bubenhaft tanzend «Figuren, Fantasien und Ängsten seiner Welt» auf die Sprünge.

In seiner Machart erinnert die Eröffnungssequenz an «Gaîté Parisienne», ein Offenbach-Ballett, in dem sich Béjart letztlich selbst bespiegelt. Hamburgs Ballettintendant geht bei Beethoven nicht so weit, auch wenn er eine eigene Ohr-Entzündung während des Entstehungsprozesses als «intensive Identifikation» durchaus für möglich hält. Wie Béjart lässt ...

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Tanz Oktober 2018
Rubrik: Kritik 10/18, Seite 40
von Hartmut Regitz

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