Guido Markowitz, Mar Rodríguez Valverde «Schwanensee»
Kein weißer Schwan als Symbol für Unschuld und Anmut, kein schwarzes Pendant als dunkle Seite. Der Pforzheimer Ballettdirektor Guido Markowitz und seine Stellvertreterin Mar Rodríguez Valverde haben für ihre «Schwanensee»-Aktualisierung den zentralen Konflikt des archetypischen romantischen Märchenballetts eliminiert: Odette und Odile sind zwei gleichberechtigt agierende Schwäne, es gibt keinen Gut-Böse-Dualismus, sondern zwei eigenständige Charaktere mit sympathischen und weniger sympathischen Seiten, zwei Charaktere, in die man sich parallel verlieben kann.
Was Prinz Siegfried dann auch macht – die Liebe mündet hier in eine polyamouröse Dreierbeziehung, die Pas de deux zwischen Odette und Siegfried werden als Pas de trois neu gedacht, und weil Odile mit Joshua Pilgrim (alternierend mit Ido Stirin) männlich besetzt ist, hat das Ganze auch einen Zug ins Pansexuelle. Das kurz aufscheinende Eifersuchtsmotiv wird abgeräumt, worauf der Abend Gefahr läuft, jegliches Konfliktpotenzial zu verlieren, doch keine Sorge: Die Inszenierung entwirft hier zwar eine gelingende sexuelle Utopie, aber weil die Gesellschaft noch nicht weit genug ist für abweichende Beziehungsformen, gibt es ...
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Tanz Februar 2026
Rubrik: Kalender, Seite 50
von Falk Schreiber
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