gladbeck: mathilde monnier «twin paradox»

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Sie schweben fast. Dreißig Zentimeter über dem Boden, auf einem ziegelfarbenen Rost. Fünf Paare, zwischen freudiger Leichtigkeit und bleierner Schwere, die irgendwann von den Gliedern Besitz ergreift. Das Zeitgefühl ist aufgehoben, sie tanzen wie in Trance. Am Schluss lassen sie sich einfach fallen, sanft hineingleiten in Nacht und Ohnmacht. So suggeriert es Mathilde Monnier, während sie ihr Zwillingsparadox auf die nächste Ebene der Ambivalenz hebt. Wer zusammen tanzen kann bis zum Umfallen, der gibt auch unwillkürlich kund, wie es wirklich in seinem Leben aussieht.

Mathilde Monnier interessiert sich nicht für Psychologie oder Tanztheater, sondern gehört in Frankreich zu der von Merce Cunningham beeinflussten Strömung. Selten sah man das so deutlich wie hier. Im Bühnenraum gibt es kein Zentrum, keine Hierarchie. Die Spannung in den Körpern gilt fremdartigen Balancezuständen, die an Cunninghams Credo erinnern: «Wenn eine Bewegung ungeschickt aussieht, dann interessiert sie mich.» Monnier erinnert an die Tanzmarathons in den USA der 1920er-Jahre. Wer als Letzter noch stand, war der Gewinner. Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss. Jede Erlösung war wohl immer auch eine gefühlte ...

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Tanz August 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 60
von Thomas Hahn

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