gera: silvana schröder

Silvana Schröder: «Schwarzer Schwan»

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Thüringen hat seit Januar ein Staatsballett – unter vertrauter Leitung: Silvana Schröder führt das 22-köpfige Ensemble weiterhin an. Wenn an einem der beiden Standorte - Altenburg und Gera – Tanz auf dem Spielplan steht, kommen die Leute. Vor allem, wenn es einen Klassiker gibt. Dass der dann nicht so klassisch daherkommt wie gewohnt, wird akzeptiert. Zum Ende der letzten Saison gab es Tschaikowskys «Schwanensee», live gespielt unter dem Dirigat von Jens Troester, allerdings nicht immer mit dem nötigen Feingefühl für Zwischentöne versehen.

Silvana Schröder erzählt eine emotionale Geschichte, setzt eigene, bisweilen eigenwillige Akzente, nutzt weitestgehend Grundlagen des Stückes und ist am Ende sehr nahe an der Partitur. Denn Tschaikowsky kam es (nicht zuletzt mit der kreisenden Kunstform des Walzers) darauf an, auszudrücken, «dass das Leben ein dauernder Wechsel von dunkler Wirklichkeit und vagen Träumen vom Glück ist». Schröder deutet die Dreivierteltakt-Sequenzen denn auch als todestrunkene, kreisende Strudel.

Überhaupt beherrscht das Dunkle die Geschichte in Gera. Die ist hart, handelt von einer brutalen, unerbittlichen, tragischen Beziehung zwischen Vater Rotbart und Tochter ...

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Tanz Oktober 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Boris Michael Gruhl

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