Gefühle von gestern

in Karlsruhe

Tanz - Logo

Die Gnade der späten Geburt kann schnell zu einer Belastung werden. Gerade mal 22 ist Terence Kohler und schon von seiner Direktorin Birgit Keil als Choreograf abendfüllender Ballette auserkoren – in einem Alter also, in dem selbst die Großen des Fachs ihr künstlerisches Potential noch an Petitessen erprobten.

Prompt fragen sich Ballettauguren nach der Uraufführung von «Anna Karenina», ob in dem Australier aus Sydney nicht jemand heranwächst, der die «seit Crankos Tod brachliegenden Hoffnungen auf einen neuen deutschen Tanzerzähler, der mit großen, schwierigen Stoffen und mit ernster Musik umzugehen weiß, eines Tages erfüllen kann» – und erhöhen so indirekt einen Erwartungsdruck, der selbst einen Kohler zerbrechen könnte. Er wäre der erste nicht ...
Nun macht eine Schwalbe noch lange keinen Sommer, und bis Terence Kohler im Hier und Heute angelangt ist, wird es noch einige Zeit dauern. Fakt ist, dass er seine Karlsruher «Anna Karenina» so inszeniert wie ein gewiefter Alter – mit effektvollen Ensembles, die in einer schmissigen Schlittschuhszene gipfeln, mit wunderschönen Duos, in denen die Gefühle der Protagonistin tatsächlich zum Tragen kommen, mit dramatischen Pointen, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2006
Rubrik: on stage, Seite 36
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rot-weiße Tage

Hat sie den Werner Schwab gelesen, den Franz-Xaver Kroetz oder beide? Die Szene könnte aus deren Theater stammen. Regungslos liegt Saskia Hölb­ling vor dem flimmernden Bildschirm. Vorn steht eine Zink­wanne, dazu ein Eimer und Hand­tücher, gestapelt. Rote Fäden durchkreuzen und begrenzen den Raum. Aus den Lautsprechern ertönt ein Walzer. Die Frau erwacht zu Leben,...

Im Einklang

«Sieht doch immer gleich aus», lautet eine häufig gehörte Meinung zu Indiens Tanzstilen, von Kathakali mal abgesehen. Dagegen gibt es jetzt ein Rezept. Wir wissen nicht was der Augenarzt empfiehlt, aber wir empfehlen eine Eintrittskarte für «Samanvaya». Da beweisen Alarmel Valli und Madhavi Mudgal, dass Odissi und Bharata Nat­yam so trennend miteinander verbunden...

Sylvie Guillem

Sylvie Guillem, Sie haben sich beim Publikum mit einem herzlichen, fast erstaunten Lächeln bedankt. Überrascht Sie der Zuspruch, den ein zeitgenössischer Abend findet? Die Reaktion des Publikums berührt mich immer. Wenn ich auf die Bühne gehe, möchte ich dem Publikum etwas geben: eine Vision, einen einzigartigen Moment. Die Reaktion darauf zu erleben, ist für mich...