Gefühle von gestern

in Karlsruhe

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Die Gnade der späten Geburt kann schnell zu einer Belastung werden. Gerade mal 22 ist Terence Kohler und schon von seiner Direktorin Birgit Keil als Choreograf abendfüllender Ballette auserkoren – in einem Alter also, in dem selbst die Großen des Fachs ihr künstlerisches Potential noch an Petitessen erprobten.

Prompt fragen sich Ballettauguren nach der Uraufführung von «Anna Karenina», ob in dem Australier aus Sydney nicht jemand heranwächst, der die «seit Crankos Tod brachliegenden Hoffnungen auf einen neuen deutschen Tanzerzähler, der mit großen, schwierigen Stoffen und mit ernster Musik umzugehen weiß, eines Tages erfüllen kann» – und erhöhen so indirekt einen Erwartungsdruck, der selbst einen Kohler zerbrechen könnte. Er wäre der erste nicht ...
Nun macht eine Schwalbe noch lange keinen Sommer, und bis Terence Kohler im Hier und Heute angelangt ist, wird es noch einige Zeit dauern. Fakt ist, dass er seine Karlsruher «Anna Karenina» so inszeniert wie ein gewiefter Alter – mit effektvollen Ensembles, die in einer schmissigen Schlittschuhszene gipfeln, mit wunderschönen Duos, in denen die Gefühle der Protagonistin tatsächlich zum Tragen kommen, mit dramatischen Pointen, die ...

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Tanz Juli 2006
Rubrik: on stage, Seite 36
von Hartmut Regitz

Vergriffen
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