Gabriela Carrizo «Carmen»
Selbst schuld: Wenn man sich zu spät um Tickets bemüht, dann kommt man eben nicht mehr zu «Carmen» bei den «Salzburger Festspielen», der ersten Operninszenierung der Peeping-Tom-Choreografin Gabriela Carrizo. Aber wenigstens zeigt Arte die Aufzeichnung bis Anfang November in der Mediathek. Ein echter Ersatz ist das zwar nicht, ein Mitschnitt lässt einen nicht spüren, wie das Champagner-Publikum auf Carrizos verdreckten, barfüßigen, schweißtriefenden Sozialrealismus trifft. Aber immerhin.
Carrizo also holt Georges Bizets 1875 uraufgeführte «Carmen» konsequent aus der Andalusien-Romantik. Christof Hetzers Ausstattung zeigt einen dunklen Unort, über den Soldaten und Fabrikarbeiter*innen ziellos hetzen, hier eine Anhöhe, dort eine Pfütze, lebensfeindlich und trostlos. Und weil das lokal nicht definiert ist, sozial aber durchaus, erzählt die Geschichte nicht nur etwas über die Geschlechterverhältnisse (was zur Entstehungszeit des Stücks revolutionär war), sondern auch etwas über Klassendifferenzen. Proletariat, Kleinkriminelle, Militär: Die Gesellschaft ist in Bewegung, und Carrizo hält ihr Ensemble ebenfalls in Bewegung, da spürt man, dass die Regisseurin vom Tanz kommt.
Wobei die ...
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Tanz Oktober 2026
Rubrik: Kalender, Seite 48
von Falk Schreiber
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