frankreich: kader attou
Es war einmal: Hip-Hop, tief verwurzelt. Kader Attou vergleicht ihn in «The Roots» mit seiner heutigen Form: Old school, new school, no school. Attou, Leiter des Centre chorégraphique national in La Rochelle, wurde in den 1980er-Jahren via TV vom Hip-Hop-Virus aus den USA angesteckt. Das zeigt er gleich zu Beginn. Ein Tänzer räkelt sich im Sessel, legt eine Funk-LP auf, und wie im Traum erscheinen ihm zehn B-Boyz, die ihn so lange anstarren, bis er selbst zu tanzen beginnt.
Attou liebt Sessel und Sofas und versteht sich darauf, sie in Zirkusgeräte zu verwandeln.
Er tritt sogar selbst kurz auf, um eine kleine Geschichte zu erzählen, von seinem Vater, der als «Künstler» bei Renault im Schichtbetrieb arbeitete. «Kader, du bist im falschen Stück», frotzeln die elf Tänzer. Schon ist er wieder weg, denn die Anekdote gehört zu seinem Erfolgsstück «Petites histoires.com» (2008), und bereits damals hielt das Sofa für akrobatische und mimische Glanzstücke her.
In «Roots» bringt Attou nun eine ganze Wohnzimmereinrichtung ins Spiel. Sessel und Sofa haben keine Beine und stehen schräg, fahren selbstständig durch den Salon und drehen Pirouetten: fast wie in einem Bild von René Magritte. Ein ...
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Tanz Oktober 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Thomas Hahn
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maastricht_________
tanztage
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