Flow
«I am rooted, but I flow» heißt es in Virginia Woolfs Roman «Die Wellen»: «Ich bin verwurzelt, aber ich fließe»
Die Worte entspringen dem Gedankenstrom der Protagonistin Jinny, die ihren Körper als reizvolles, rauschhaft tanzendes Instrument der Welterschließung empfindet und sich selbst als wandelbar, offen, nicht festgelegt, kurz: «im Fluss». Der Roman erschien 1931, noch vor der Geburt des ungarischen Wissenschaftlers Mihály Csíkszentmihályi, dessen «Flow»-Theorie die Welt bis heute aufsaugt.
Flow, so die Kurzformel, meint die völlige Vertiefung und Hingabe an das, was ich gerade tue. Sei es schöpferischer, sei es alltagspraktischer Natur. Tänzer*innen kennen das Phänomen, Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Sportler*innen – und spielende Kinder. In den besten Momenten tauchen wir – allein oder gemeinsam – in diese Seins- und Selbstvergessenheit ein, die existenzielle Grenzen verflüssigt und das Ich beflügelt. Was schwieriger wird angesichts einer Gegenwart, die politökonomische Stacheldrahtzäune hochzieht: Kriege, Krisen, Konflikte, Armut und Ausbeutung, auseinanderdriftende Gesellschaften und Umweltzerstörung. Der vitale Flow brandet gegen Barrieren wie Meereswogen gegen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2025
Rubrik: Editorial, Seite 8
von
Der professionelle Tanz im Vereinigten Königreich bezieht seine finanzielle Förderung aus einem Mix von staatlichen Subventionen (für die glücklichen Auserwählten), privaten Zuwendungen (für die noch Glücklicheren) und Einnahmen aus Ticketverkäufen (für diejenigen, die das Glück haben, auftreten zu können). Investitionen in die Künste werden dezentral über...
Im Nahen Osten ist noch der letzte Rest eines halbwegs normalen gesellschaftlichen Flow kollabiert. Auf den disruptiven Moment, der mit den mörderischen Hamas-Attacken vom 7. Oktober 2023 über die Region hereinbrach, folgte eine Dynamik der Destruktion. Ein Ende des Krieges ist so wenig absehbar wie die Lösung der Konflikte, die ihm zugrundeliegen. Die polarisierte...
Germaine Acogny, Sie haben 2004 zusammen mit Helmut Vogt nahe dem südlich von Dakar gelegenen Fischerdorf Toubab Dialao die Tanzschule «École des Sables» gegründet. In den Workshops, die Sie dort organisieren, begegnen sich junge Tänzerinnen und Tänzer aus diversen Regionen und Ländern des afrikanischen Kontinents. Inwieweit kann Ihre Schule die Rolle eines...
