Farewell aus der Ballettwelt
Déja vu
Es hat Choreografen gegeben, die ihren Kritikern nach einer missliebigen Besprechung schon mal eine Tracht Prügel angedroht haben. Hans van Manen gehörte nicht zu ihnen. Auch wenn er die Einschätzung seiner Arbeit nicht immer geteilt hat, wäre ihm Handgreifliches nie in den Sinn gekommen. Er hat in allem die Form gewahrt und das nicht zuletzt in seinen Stücken. «Déjà vu» heißt eins seiner Duette, ganz bewusst eine Replik auf den Vorwurf einiger Landsleute, er wiederhole sich zu oft.
Und das tat er denn auch ebenso bewusst wie brillant und ganz anders: ein Duett als Wechselspiel menschlicher Beziehungen, aus dem sich durchaus etwas über das Wechselspiel von Kunst und Kritik herauslesen ließ. Nicht ohne Hintergedanken dabei die Wahl der Musik: «Fratres» von Arvo Pärt.
Nein, nie wäre es einem Hans van Manen in den Sinn gekommen, einen Horst Koegler als «schizophrenen Wetterhahn» zu bezeichnen, wie es John Cranko in einem Interview zur Belustigung des Betroffenen tat. Vielmehr würdigte er 1974 ausgerechnet in Amsterdam dessen «Bedeutung für die Tanzkunst» und widmete ihm seinen «Sacre». Auch in seiner Rede zur Verleihung des «Lifetime Achievement Award» dieser Zeitschrift ...
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Tanz Februar 2026
Rubrik: Hans van Manen, Seite 23
von
Eine zeitgenössische Ballett-Performance, die der Gewaltlosigkeit in der Welt gewidmet ist, mag auf den ersten Blick zu der zynischen Verfassung passen, in der sich eben diese Welt befindet – nichts als ein künstlerischer, verträumtfrommer Wunsch? Oder bloß eine catchy Marketing-Phrase? Doch im Laufe des Abends löst sich diese Phrase mehr und mehr von der...
Impressum
tanz. Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin GmbH
Redaktion Sofie Goblirsch, Johanna Rau, Falk Schreiber, Marc Staudacher, Dorion Weickmann (Leitung) Tel. +49-30-254495-20, Fax -12
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Bildredaktion Marina Dafova, Sofie Goblirsch
Art direction Marina...
In Hamburg also: Murmeltiergruß. Sitzordnung, Publikumsstruktur, Pausengespräche – alles wie gehabt. John Neumeier sitzt zur Premiere 1. Reihe, rechts außen. Silberlocke dominiert coiffeur-technisch das Parkett und konversationshalber triumphiert: Lob der Edelklassik, der Langzeitchef Neumeier – selbst grandioser Erzähler und Seelenporträtist – die Stirn bot....
