Fantasialand
Alle wissen es: Was Deutschland sich unter dem Stichwort «Digitalisierung» leistet, verdient ein Armutszeugnis. Nur vier Prozent aller staatlichen Dienstleistungen erfolgen derzeit vollständig digital, also ohne Papier auszudrucken oder Akten von Bundesland zu Bundesland zu schicken. Folge: Die Deutschen bleiben weiterhin Bittsteller vor dem Staat. Der spielt ein Schlusslicht in der EU. Ausgerechnet ihn mit der ungeheuren Frage zu konfrontieren, ob nicht auch der Tanz von den realen digitalen Entwicklungen profitieren dürfe, ist nicht unverschämt.
Denn dank der Bundesförderung während der Pandemie konnten Tänzer*innen am Handy zu Hause trainieren, Tanzvideos produzieren, ihre Website gestalten oder gemeinsam per Zoom weltweit in Choreografien mitwirken.
Fraglich zwar, ob Zoom & Co. tatsächlich innovative Techniken sind. Ganz sicher sind sie es nicht für die Theater, deren Licht- und Tontechnik ganz selbstverständlich digital funktioniert und deren Eintrittskarten als digital signierte Dokumente Einlass gewähren. Die Frage lautet eher: Darf die Kunst auch selbst digital sein? Trotz längst von Computern gesteuerten Bühnen gehen wir ins Theater, um hier leibhaftige Tanzende, Singende ...
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Tanz März 2024
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Arnd Wesemann
DISCO
Anfang der 1970er ging New York ziemlich am Krückstock: Armut, leerstehende Immobilien und alles andere als gute Stimmung. Das ideale Klima für Protest und Subkultur aller Art, und so wurden die Partys, die der DJ David Mancuso in seinem Loft am Broadway 647 feierte, zur Initialzündung der Disco-Bewegung. Queer und kultig, glamourös und trashig, politisch...
In «Vénus anatomique» widmet sich die Wahl-Luxemburgerin Sarah Baltzinger – scheinbar – dem Phänomen der «Anatomischen Venus». Diese lebensgroßen Wachsfiguren halfen ab dem späten 18. Jahrhundert Generationen von Medizinstudenten dabei, ihren natürlichen Ekel vor offengelegten inneren Organen zu überwinden – die Angst vor dem Tod wurde durch romantische Träumerei...
Berlin, 2004. Podewil. Im großen Saal steht eine junge, engagierte, kämpferisch wirkende Frau und kann ihr Glück nicht fassen. Auf vielleicht zwanzig Interessierte hatte sie gehofft. Es kommen über 100 Lehrer*innen aus der ganzen Stadt. Um etwas ganz Neues soll es gehen. Darum, Kindern und Jugendlichen in Schulen Tanz anzubieten. Musik, Kunst, Darstellendes Spiel –...
