Erde zu Erde

Martin Schläpfer choreografiert beim Wiener Staatsballett ein inspirierendes, wenn auch bisweilen leicht strauchelndes «Dornröschen»

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Wien ist schon ein spezielles Pflaster. Wie die Berliner Piefkes, die auch erst mal alles in Grund und Boden rammen müssen, neigen die Wiener dazu, recht schönzutun, um bei gegebenem Anlass festzustellen: «Taugt nicht.» Martin Schläpfer, der seit 2020 dem Wiener Staatsballett vorsteht, hat schon die eine oder andere Watschn einstecken müssen. Sein «Dornröschen» wird nicht viel daran ändern. Schade. Für Wien.

Denn wie im Fußball, wo es bekanntlich genauso viele Trainer*innen wie Zuschauer*innen gibt, wimmelt es halt auch beim Tanz von Leuten, die wissen, wie man «Dornröschen» richtig inszeniert: entweder exakt auf den (gar nicht exakt vermessbaren) Originalspuren von Marius Petipa & Co (sprich: Nachfolgern) oder komplett runderneuert. Unter dieser Prämisse hat Martin Schläpfer in seiner dritten Spielzeit an der Spitze des Wiener Staatsballetts in der Tat ein Eigentor geschossen. Der Schweizer zitiert zwar Ikonen aus Petipas Ur- und anverwandten Versionen – etwa Auroras Debüt, das Rosen-Adagio, den Grand Pas de deux zur Hochzeit. Zudem flicht er hier und da weitere Verweise auf historisches Schrittmaterial ein. Doch gleichzeitig erlaubt er sich die Freiheit eines eigenen ...

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Tanz 12 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 6
von Dorion Weickmann

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