Erde zu Erde
Wien ist schon ein spezielles Pflaster. Wie die Berliner Piefkes, die auch erst mal alles in Grund und Boden rammen müssen, neigen die Wiener dazu, recht schönzutun, um bei gegebenem Anlass festzustellen: «Taugt nicht.» Martin Schläpfer, der seit 2020 dem Wiener Staatsballett vorsteht, hat schon die eine oder andere Watschn einstecken müssen. Sein «Dornröschen» wird nicht viel daran ändern. Schade. Für Wien.
Denn wie im Fußball, wo es bekanntlich genauso viele Trainer*innen wie Zuschauer*innen gibt, wimmelt es halt auch beim Tanz von Leuten, die wissen, wie man «Dornröschen» richtig inszeniert: entweder exakt auf den (gar nicht exakt vermessbaren) Originalspuren von Marius Petipa & Co (sprich: Nachfolgern) oder komplett runderneuert. Unter dieser Prämisse hat Martin Schläpfer in seiner dritten Spielzeit an der Spitze des Wiener Staatsballetts in der Tat ein Eigentor geschossen. Der Schweizer zitiert zwar Ikonen aus Petipas Ur- und anverwandten Versionen – etwa Auroras Debüt, das Rosen-Adagio, den Grand Pas de deux zur Hochzeit. Zudem flicht er hier und da weitere Verweise auf historisches Schrittmaterial ein. Doch gleichzeitig erlaubt er sich die Freiheit eines eigenen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz 12 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 6
von Dorion Weickmann
PARISER OPER
Pablo Legasa war mal einer von den Kleinen. Von den Schülern der Pariser Opernballettschule, deren Werden und Gedeihen die Regisseurin Françoise Marie seit zehn Jahren lose begleitet. Jetzt hat sie zum dritten Mal die Dokukamera auf die «Tanzschüler der Pariser Oper» gerichtet, um in «Die Reifejahre» einzutauchen. Und siehe da, Pablo ist mittlerweile...
Aus dem Trockeneisnebel des Kühlschranks hebt der Familienvater eine unbekannte, eine außerirdische Lebensform. Er möchte sie aufs Sofa betten, doch seine Gattin, ihrerseits ein Kind auf der Hüfte tragend, erlaubt ihm lediglich den Couchtisch. So liegt der haarige Fremde, die «ALF» dort, in Chaps, mit langem Haar und Cowboyboots, während jene, die ihn verzückt bis...
Marvin Ott hat ein großformatiges Renaissance-Tor als Bühnenhintergrund für Marco Goeckes «A Wilde Story» ins Hannoversche Opernhaus gestellt, drei tunnelartige Gänge, die in Dunst und Halbdunkel verschwimmen, halb Bedrohung, halb Versprechen auf einen Ausweg. Ein Versprechen, das immer wieder enttäuscht wird: Mehrfach werfen sich Tänzer*innen gegen die Torbögen...
