Ein Brief aus Georgien
Es sollte der auswärtigen deutschen Kulturarbeit nicht gelingen, neutral zu bleiben. Im Goethe-Institut in Tbilissi wurde eine Ausstellungseröffnung am 7. November jäh unterbrochen durch einen Demonstranten, der sich, verletzt durch ein Gummigeschoss, aus einer Kopfwunde blutend in den Eingang gerettet hatte. Während die Sondereinsatzkräfte des Innenministeriums die Demonstration der georgischen Opposition brutal auseinandertrieben, blieb die Zeit im wahrsten Sinne des Worts stehen, fühlten sich nicht nur georgische Beobachter an die Zeit vor der Unabhängigkeit des Landes erinnert.
Dreizehn Tage später ist es ruhig in der georgischen Hauptstadt. Dicht gedrängt sitzen Mütter auf den Gängen der Schule des Georgian State National Singing and Dancing Academic Ensemble mit dem klangvollen Namen «Erisioni», gelegen am Rustaweli-Prospekt, der Prachtstraße Tbilissis. Derweil ihre Kinder die Ballettsäle des in die Jahre gekommenen Palais bevölkern und auf eine schnelle Karriere bei dem international tourenden Ensemble hoffen.
Volkstanz, für westliche Augen effektvoll modernisiert mit eingängigen Showelementen, prägt den ersten Eindruck vom Tanz in Georgien. Kein Staatsempfang ohne ...
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