dresden
Allein schon das Bühnenbild kann sich sehen lassen. Eno Henze, ein Berliner Künstler, hat es entworfen. Wuchtig in seiner Wirkung und zugleich beweglich, gibt es der Alt-Saga «Tristan + Isolde» auf abstrakte, aber wandelbare Weise Raum. Von Bert Dalhuysen ingeniös beleuchtet, scheint alles in der Schwebe, besitzt aber Atmosphäre genug, die Schauplätze aufs Unterschiedlichste zu lokalisieren.
Eine Balance, die ganz dem ästhetischen Erscheinungsbild der Uraufführung entspricht.
Selbst wenn sich David Dawson gleich zu Anfang eine überfallartige Szene gestattet, kraftvoll viril und mit einem bisweilen brutalen Ansatz, choreografiert er durchweg neoklassisch, geschmeidig in eher abstrahierenden Gesten und mit einer Bewegtheit, die gleichwohl etwas Statisches hat: Das mag in sich vollendet sein, in seiner konzentrierten Schönheit stimmig, ermöglicht aber dem Stück nicht unbedingt die Sprengkraft, die ein so konfliktträchtiges Sujet letztlich braucht. Alles wirkt hier stromlinienförmig geglättet, bis in die floral verschlungenen Arme hochstilisiert. Lediglich bei Isoldes Solo, vor allem aber in den vier Pas de deux von Tristan und Isolde findet der Tanz zur erhofften Tiefe und zu jener ...
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Tanz Juli 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Hartmut Regitz
Eine sonore Stimme, aufgezeichnet 1937 von der BBC, fragt ins Rund des Royal Opera House: «Wie können wir die alten Worte neu ordnen, damit sie überleben, damit sie Schönheit erzeugen, damit sie die Wahrheit erzählen?» Es spricht die Schriftstellerin Virginia Woolf, und was sie verkündet, ist ihr literarisches Credo. Wer so vermessen ist, diese Ikone der Literatur,...
Sein Pensum ist atemberaubend – jeder Tag voll mit Terminen, Proben, Verhandlungen, Telefonaten. Zumal seit feststeht, dass Sidi Larbi Cherkaoui neuer Leiter des krisengebeutelten Königlichen Balletts Flandern wird. Eigentlich müsste der Star aus Brüssel also schwer gestresst sein. Doch er ist Buddhist und sitzt noch am Tag vor der Premiere seines neuesten Stücks...
In Ägypten und im Iran ist, wie einst auf deutschen Marktplätzen, die Hinrichtung ein schönes Fest. Der Überlieferung nach war es ja auch eine Hinrichtung, die das Christentum entstehen ließ. Johann Kresnik lässt also Jesus auf die Bühne tragen. Die von George Grosz bekannten Kasperlefiguren Richter, Politiker, Bankier, Bischof und Offizier laben sich an einem...
