Dominique Dumais «A KISS TO THE WORLD»
Die grauen Herren sind zurück. Als hätte Dominique Dumais die emotionslosen Gestalten aus Michael Endes «Momo» auf die Bühne des Düsseldorfer Opernhauses umgesiedelt, hasten die Tänzer*innen, uniform gekleidet, hin und her. Im Setting des Innenhofs eines Bürokomplexes laufen sie auf der Stelle, öffnen den Mund zum Schrei, lüpfen das Jackett:
Das Innenfutter ist herzblutrot! Die Choreografie des ersten Aktes von «A Kiss to the World» ist schlicht brillant.
Die maschinenartigen Moves gehen ineinander über wie in einem Getriebe, die tanztheatralen Formationen sind überraschend originell, geistreich, witzig. Und die Soli von betörender Feinheit. Nur vertraut die Frankokanadierin nicht genug auf die Kraft der Körpersprache und der stimmigen Musikauswahl von Händel und Mozart über Barber bis Aleksandra Vrebalov. Sie überfrachtet und integriert Texte über die Entstehung des Kusses, den Gesang einer Sopranistin, Videomaterial.
Im zweiten Akt, in paradiesischer Ausstattung, haben die Menschen sich befreit von allen Zwängen. Sie lassen Verletzlichkeit zu, erleben Glück, aber auch Schmerz und Trauer. Die Choreografin gibt so viel Material hinein, dass sie sich verschwendet. Dennoch bleibt es ...
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Tanz März 2024
Rubrik: Backlights, Seite 51
von Bettina Trouwborst
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