Digital Natives

Wo sind die jungen Tänzer zu Hause, die aus aller Welt nach Deutschland kommen und hier leben, lernen, arbeiten? Gillian Fitz, Hannah Conlon und Justin Rimke schlagen per WhatsApp oder Instagram Brücken in die Ferne.

Der Duft von Pfannkuchen. Die Art, wie der Wind riecht. Wie die Diele knarzt. Wie sich der Boden unter den Füßen anfühlt. Wen wir zum Reden suchen, wenn wir in Sorge sind. Mit wem wir Freude teilen, wenn sie zu viel ist für einen allein. Ein Gericht. Der Gruß des Nachbarn. Ein Lied. Dass der Bäcker weiß, welches Brot wir lieben. Wie wir feiern. Die Chefin der Buchhandlung, die uns kennt. Wie wir reden. Wie wir fluchen. Das Haus, in dem wir einst die Kleinen waren und es bleiben, selbst, wenn wir groß sind. Eltern. Der Dialekt, den man nur dort pflegt, wo sie wohnt. Die Heimat.

 

Vertrautes im Unvertrauten 

Heimat hat viele Gesichter. Meint Räume, Zeiten, Wahrnehmungen, Menschen. Viel besungen, viel bedichtet, politisch missbraucht, ideologisch instrumentalisiert – all das trifft auf sie zu. Sie hat einen präzisen Ort und hat doch keinen. Zunächst einmal ist sie nur ein Wort. Wie wir es auslegen – behaglich oder voller Unbehagen, begrenzt oder total flexibel –, das wird von unserer Prägung bestimmt. Heimat ist ein Buzzword geworden. Getriggert durch Impulse aus unterschiedlichen Diskursen, unterschiedlichen Ursachen. Heimat heute? In einer Gesellschaft, die von Mobilität, Migration ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Eroberer, Seite 96
von Nic Leonhardt

Weitere Beiträge
Akram Khan

Heimat ist für mich ein Rückzugsort, an dem ich mich erneuern kann wie eine Schlange, die ihre Haut abstreift. Ein Ort, an dem ich das Gegenteil von XENOS empfinde. Aber es ist wichtig, dass wir versuchen, den Begriff auch dynamisch zu denken. Denn einige, wenn nicht die meisten von uns, betrachten Heimat als statisch, als feste Adresse.

Für mich ist Heimat etwas...

Louis Thuriot

Mit «Peeping Eye» stellte sich der 21-jährige niederländische Tänzer Louis Thuriot Anfang des Jahres bei einem Gastspiel am Staatstheater Mainz vor. «Peeping Eye» heißt so viel wie «mit voyeuristischem Blick etwas anschauen». Das taten dann vor allem die Zuschauer. Denn das Duo von Louis Thuriot, das er zusammen mit Borna Babic einstudierte, überzeugt nicht nur mit...

Jirí Kylián

Es gibt ein Wort im Tschechischen, das in etwa so viel wie «Heimat» bedeutet. Es heißt domov und ist vom lateinischen domus abgeleitet. Also von dem Begriff eines «Zuhause». Wenn wir diese Idee weiterverfolgen, könnte es auch bedeuten, dass dort, wo unser Haus steht, gleichzeitig unsere «Heimat» ist. 

Eigentlich sollte ich diesen Beitrag «Heimat und Migration»...