die musik muss dich rufen

Für John Neumeier gehören Klang und Körper zusammen: Ohne Musik? Kein Tanz! Wie aber muss eine Tondichtung beschaffen sein, damit sie die choreografische Fantasie entzündet? Der Hamburger Ballettintendant im Gespräch mit Hartmut Regitz

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Herr Neumeier, auf den ersten Blick könnte man angesichts Ihres Œuvres den Eindruck gewinnen, dass Sie ein Geschichtenerzähler sind, ein Dramaturg, ein Choreograf, den eher ein Plot, eine Figur, ein Mensch inspiriert. Natürlich stimmt das so nicht, wenn man beispielsweise an Ihre lebenslange ­Beschäftigung mit der Musik Gustav Mahlers denkt. Welche Wichtigkeit hat für Sie die Musik? Ich kann mir kein Ballett vorstellen, das nicht von einem emotionalen Zustand handelt. Das kann zwar die Form einer detaillierten Handlung annehmen, die nacherzählbar ist.

Es kann aber auch eine Handlung sein, die sich nicht nacherzählen lässt und trotzdem eine ist. Eine Traumhandlung etwa, die unterschiedliche Eindrücke verarbeitet, ­verschiedene Beziehungen erlebt, auch starke Emotionen, ohne dass man deswegen gleich sagen könnte, was genau. Ein Zustand eben ...

… bei dem die Musik eine entscheidende Rolle spielt? So ist es. Dabei muss sie nicht unbedingt am Anfang stehen. Ich kann, wie ich es beispielsweise bei der «Kameliendame» gehandhabt habe, erst ein Libretto schreiben, um anschließend eine Musik zu suchen, die mehr oder weniger zu der Struktur dieses Librettos passt. Das Procedere kann aber auch ...

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Tanz August/September 2013
Rubrik: musik, Seite 74
von Hartmut Regitz

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