die musik muss dich rufen
Herr Neumeier, auf den ersten Blick könnte man angesichts Ihres Œuvres den Eindruck gewinnen, dass Sie ein Geschichtenerzähler sind, ein Dramaturg, ein Choreograf, den eher ein Plot, eine Figur, ein Mensch inspiriert. Natürlich stimmt das so nicht, wenn man beispielsweise an Ihre lebenslange Beschäftigung mit der Musik Gustav Mahlers denkt. Welche Wichtigkeit hat für Sie die Musik? Ich kann mir kein Ballett vorstellen, das nicht von einem emotionalen Zustand handelt. Das kann zwar die Form einer detaillierten Handlung annehmen, die nacherzählbar ist.
Es kann aber auch eine Handlung sein, die sich nicht nacherzählen lässt und trotzdem eine ist. Eine Traumhandlung etwa, die unterschiedliche Eindrücke verarbeitet, verschiedene Beziehungen erlebt, auch starke Emotionen, ohne dass man deswegen gleich sagen könnte, was genau. Ein Zustand eben ...
… bei dem die Musik eine entscheidende Rolle spielt? So ist es. Dabei muss sie nicht unbedingt am Anfang stehen. Ich kann, wie ich es beispielsweise bei der «Kameliendame» gehandhabt habe, erst ein Libretto schreiben, um anschließend eine Musik zu suchen, die mehr oder weniger zu der Struktur dieses Librettos passt. Das Procedere kann aber auch ...
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Tanz August/September 2013
Rubrik: musik, Seite 74
von Hartmut Regitz
Die Bühne ist mit Schachteln, Boxen und einem Kartonhaus vollgeräumt, alle in Maßarbeit hergestellt und ausgeklügelt arrangiert. Eins dieser Pappgebilde, menschenhoch und turmschlank, bewegt sich. Aus einer Klappe in Kopfhöhe fährt ein Megafon, das Atem- und Störgeräusche spuckt. Der Turm wankt, hüpft, hoppelt davon, eine Hand fährt heraus, greift zu einem...
Diversität ist eins der Zeichen unserer Zeit. Darum wird der weiße, heterosexuelle Mann als Maßstab von Ding und Welt künstlerisch so gern infrage gestellt, sei es, indem Jérôme Bel in «Disabled Theatre» lieber Menschen mit geistiger Behinderung auf die Bühne bringt, sei es, dass das Künstlerpaar Gintersdorfer/Klaßen die Opfer kolonialer Vergangenheit in den...
Auf einer Bank sitzt eine Puppe. Sie schaut zu. Sie stellt den weißen Mann dar, ähnlich wie diese seltene Fetischfigur, die während des Festivals «Theaterformen» noch bis zum 11. August im Landesmuseum Hannover ausgestellt ist. Mit solch einer weißen Figur wird die Macht des Fremden in Afrika «gebannt», so, wie auch bei uns jedes Kind weiß, wie man seine Ängste und...
