Die grausame Erinnerung

Seit der Antike darf sich nur der Geist erinnern. Der Körper bleibt außen vor. Die Geschichte vom Körper als bloßem Gefäß erhielt erst mit Friedrich Nietzsche einen Riss. Seitdem gefährdet der Tanz einen jahrtausendealten philosophischen Grundsatz: Dass der Geist alles sei, und das Fleisch höchstens schwach

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Überkommt Ihren Körper noch manchmal der Schmerz von Schlägen oder die Angst vor der Atemnot im «Schwitzkasten» der Stärkeren? Erinnern Sie noch die «Welle» beim ersten Orgasmus?
Wissenschaftler sagen uns, alle Erinnerung sei körperlich, gespeichert in den «grauen Zellen» unseres Gehirns, aber auch im Immunsystem. Das wird wohl so sein. Hier aber geht es mir um die Körperlichkeit von Erinnerung in einem etwas anderen Sinn: Um Erfahrungen, die uns «eingekörpert» wurden, Erinnerungen an ein Körpergeschehen, die wir oft mit uns herumtragen, ohne es zu wissen.

Erinnerungen, die uns manchmal überfallen und mit ihrer Macht und Präsenz überraschen.
Vor kurzem plauderte ich an einem heißen Sommertag am See mit einer Theater- und Tanzpädagogin. Sie erzählte mir, wie sie mit bestimmten Techniken versuche, an den Unterschied von Erlerntem und ganz Neuem und Unkonditioniertem, sozusagen «Ursprungsszenen» der Bewegung, heranzukommen. Dabei zeige sich gerade bei alltäglichen Bewegungsabläufen – durch den Raum gehen, auf einen Stuhl setzen usw. – dass und wie unsere Bewegungen und Gesten eingekörpert wurden und nun vom Körper erinnert werden. Kleine Kinder, erklärte sie mir als Beispiel, schütteln, ...

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Tanz August/September 2005
Rubrik: Forgotten Memories, Seite 34
von Undine Eberlein

Vergriffen
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