Diaghilevs Töchter
Es war einmal ... da hätte die Antwort auf die Frage, wer im Tanz die Strippen zieht, geheißen: die Männer. Die Impresarios. Die Sorte Sergej Diaghilev. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts gründete der legendäre Impresario die Ballets Russes und revolutionierte – mit dem Tänzer Vaslav Nijinsky als berühmtestem Pferd im Stall – das Ballett. Man darf auch an Paul Szilard denken, der heute stolze 95 Jahre alt ist und kein bisschen müde. Er lenkt noch immer die Geschicke großer amerikanischer Kompanien wie der Martha Grahams oder des Alvin Ailey American Dance Theater.
Der Beruf der beiden mit der herrlich weich gesprochenen Bezeichnung «Impresario» geht so: Sie bringen Geld und Künstler zusammen. Sie verkehren mit Komponisten und Konzernchefs. Um Brücken zu bauen zwischen Bankkonten und Bühnenereignissen.
Dieser Beruf des kreativen Produzenten setzt allerdings einen Markt voraus, auf dem sie tätig werden können. In Deutschland ist dieser Markt nur für Tourneebetriebe existent, mit denen die Politik nichts zu tun haben will. Geld für Kunst kommt bei uns fast ausschließlich aus Steuertöpfen, deren Verteilung den Politikern obliegt. Weil Politiker keine Impresarios sind, konzentrieren sie ...
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