Der Zuschauer

Wie Bürgerproteste ein Ballett zurückfordern

Tanz - Logo

Der Zuschauer ist das unbekannte Wesen. Wo jeder Tanzkritiker draufhaut, weil er «Fernsehballett» und eine «Ästhetik des Netten und Niedlichen» sieht, da geht der Zuschauer erst recht hin. Aus Trotz. Weil er recht haben will. Wenn nötig, sammelt er sogar Unterschriften und zieht vor den Petitionsausschuss des Hessischen Landtags.

In Wiesbaden, der hessischen Landeshauptstadt, geht es gerade zu wie in den Lieblingsballetten des Zuschauers; eine unglückliche Liebesgeschichte, eine verschleppte Trennung, die zwei nicht wahrhaben wollen: der ehemalige Wiesbadener Ballettchef Ben van Cauwenbergh und sein treues Publikum. Vierzehn Jahre hatten sie zueinandergehört. Als der Intendant Manfred Beilharz 2006 van Cauwenberghs Vertrag auslaufen ließ – kurz bevor er unkündbar wurde –, begann der Aufstand. Es gründete sich eine «Bürgerinitiative zur Erhaltung des klassischen Balletts in Wiesbaden», die über 10.000 Unterschriften für den Spitzentanz und den Verbleib van Cauwenberghs sammeln konnte. Als Stephan Thoss die Ballettleitung übernahm, gab es bei seiner ersten Premiere Buh- und Bravoschlachten seitens sonst eher distinguierter Damen und Herren. Sie kämpfen. Van Cauwenbergh gewann soeben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2008
Rubrik: Boulevard, Seite 25
von Esther Boldt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eine geniale Idee

Joint Adventures in München riefen auf, in nur 60 Sekunden, im Format des Werbeclips, ein «Choreographic Capture» zu filmen. Derzeit zeigen viele Kinos die Gewinner in ihrem Reklameblock. Man sieht den 1. Preis: Anna Dubrovkas «Rush». Ein paar Männer toben im Büro, wie von Lloyd Newson mit seiner DV8 in den 1980ern gefilmt. 2. Preis: Philippe Saire zeigt  einen...

Jo Fabian: «Polka Dot»

«Wie kann man neu anfangen ohne Geld?» Die Frage brummt und summt im kleinen Berliner Orphtheater. Die Hütte im Hinterhof erinnert an eine Mischung aus Stephen Hawkins’ Denkerstube, Bill Gates’ erster Computergarage und Harald Schmidts Sketch-Factory. Orph-Betreiber Matthias Horn gibt den Ostberliner Harald Schmidt, lässig und sprunghaft. Er trägt Melone und...

Zurück auf Null

Jetzt mal ganz grundsätzlich: Was will die Tanzkunst eigentlich sagen? Ist da nicht mitunter ein Brabbeln und Lallen am Werk? Dramaturgische Patschehändchen und zahnlose Mäulchen? Beglücktes Juchzen über Minieffekte und mittleres Geschrei, um Aufmerksamkeit zu kriegen? Mund auf, Augen zu, Hoppe Hoppe Reiter. Und bloß nicht den Schnuller vergessen!

Wenn Choreografen...