Déjà Donné: «My Name is King»
In Padua ist im August ein ganz besonderes Bauwerk errichtet worden. Die Einheimischen nennen es ihre «Berliner Mauer» – eine übermannshohe Metallkonstruktion rund um das von Immigranten bewohnte Via Anelli Wohnprojekt. Alle fühlen sich jetzt sicherer voreinander. Drinnen: Drogen, Armut, Berge von stinkendem Abfall. Draußen sauberer Rassismus, gepflegter Konsum, der Dreck hinterlässt und auf Ausbeutung beruht.
Szenenwechsel: die Tafelhalle im idyllischen Nürnberg. Déjà Donné proben «My Name is King».
Simone Sandroni gibt ein Zeichen: Drei wilde, zottelige Kerle fordern die kahlen Sitzreihen heraus. Zerlumpt, mit verschwitzten Oberkörpern. Auf der Haut glänzen ölig-schwarze Buchstaben wie hässliche Narben. Don’t steal, Honour, LORD, vain, kill und dann: Do adultery. Wie sie miteinander umgehen, ist nicht nett. Ruppige Interaktionen bis zur Folter zwischen aggressiven, weit ausgreifenden Tanzsequenzen. Einmal werden die Gesten zärtlich – dem Liebesduett geht die Unterwerfung voraus. Jetzt sind die Rollen zwischen den beiden Männern klar. Der Sieger ist Herr, der Unterlegene verwandelt sich in ein williges Weibchen. No means yes. Die alte Lüge, dass sich Romantik aus Gewalt entwickeln ...
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Robert Steijn,...
