Das schönere Leben

Michael Turinsky praktiziert «gemütlichen Widerstand» – in Choreografien zwischen Behinderung, Sinnlichkeit und chilliger Abkehr vom Wachstum

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Behindert ist man nicht, behindert wird man. Was eine Weisheit aus der Sonderpädagogik ist und darauf hinweist, dass eine Behinderung weniger mit körperlichen und geistigen Einschränkungen zu tun hat als mit mangelnder Barrierefreiheit. Und mangelnde Barrierefreiheit ist ein strukturelles Problem und keines des individuellen Menschen mit Behinderung.

In seinem Stück «Soiled» behindert Michael Turinsky drei Performer*innen: David Bloom, Sophia Neises und Liv Schellander liegen da in einer weiten Wanne, und jede koordinierte Bewegung wird verunmöglicht durch unablässig auf die drei herunterplätscherndes Kürbiskernöl, alles wird zum großen Glitschen, Rutschen, Schmieren. Behindert ist man nicht, behindert wird man, aber wenigstens ist es lustig, wenn diese Behinderung so daherkommt wie in «Soiled».

Präsenz des Körperlichen
Michael Turinsky, geboren 1978 in Wien, hat eine Zerebralparese, eine Störung im zentralen Nervensystem, deren Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegt. Symptome sind willkürliche Muskelkontraktionen, Lähmungen und Sprachstörungen, zudem wirken viele Bewegungsabläufe verlangsamt. Ein Rollstuhl sowie eine professionelle Assistenz für die Bewältigung des ...

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Tanz Juni 2023
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Falk Schreiber

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