Das Liebe Geld
«Ich brauche ja wenig Geld zum Leben», seufzt die Choreografin Ingeborg Liptay in ihrer Wohnung in der, so wörtlich, «Straße der Schatzmeister der Börse» im Herzen von Montpellier. Sie zeigt den Stuhl, auf dem einst ihr Lehrmeister Kurt Jooss Platz nahm, als er sie besuchte. Was Liptay betrübt, ist, dass sie ihre Stücke kaum noch aufführen kann. Deren Thema ist die Harmonie von Geist und Bewegung. Das liegt nicht gerade im Trend. Unbeirrbar repräsentiert sie nouvelle danse aus einer Zeit, als Begriffe noch Identität stifteten.
Wer weiß denn heute, was er mit «zeitgenössischer Tanz» eigentlich meint? Schlimmer: Die Verwirrung geht so weit, dass Jean-Paul Montanari auf der Bilanzpressekonferenz «seines» Festivals Montpellier Danse stimmgewaltig verkünden konnte, dem «zeitgenössischen Tanz» gehe die Puste aus. Allerdings hatte er keine Wahl, denn sonst hätte er seinem größten Geldgeber widersprochen.
Der heißt Georges Frêche, ist Ministerpräsident der Region Languedoc-Roussillion und steuert aus dem Steuersäckel die Hälfte des Budgets bei. Frêche hatte tags zuvor im Radio verkündet, nach 2010 und dreißig Jahren Montpellier Danse müsse man mal so richtig
dazwischenhauen und neue ...
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