Das große Autsch

Muskelkrämpfe, Knochenbrüche, Zerrungen, Sehnenrisse – jeder Tänzer hat Blessuren, aber darüber reden will keiner. Schmerzen gehören zum Beruf, heißt es. Ein tanzmedizinisches Brevier, Liane Simmels «Tanzmedizin in der Praxis», legt den Finger in die Wunde, deren Ränder Dorion Weickmann besichtigt hat.

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 Sie ist 38 Jahre alt und heißt Marie. Das ist nicht ihr wirklicher Name. Denn die Betroffenen – und das sind hochgerechnet mehr oder weniger sämtliche Vertreter des Berufsstands – möchten sich zu diesem Thema keinesfalls öffentlich äußern. Weil es eigentlich gar kein Thema ist: «Schmerzen gehören einfach dazu, das weißt du spätestens, wenn du zum ersten Mal deine blutigen Zehen aus dem Spitzenschuh ziehst oder einen saftigen Aufprall erlebst, weil irgendeine Hebung kolossal daneben geht.» Marie weiß, wovon sie spricht.

Sie hat im festen Engagement wie in der freien Szene sämtliche Stilrichtungen durchexerziert, nebenbei zusätzlich unterrichtet, und bis vor einem Jahr ist sie mit diesem Arrangement nicht schlecht gefahren.

 

Dann ging es Schlag auf Schlag: Erst streikte der Meniskus (in den Endproben einer Produktion), dann das Sprunggelenk, schließlich folgte eine Knochen-Fraktur. Was sie gemacht hat? «Vor der Premiere, als der Meniskus praktisch nicht mehr zu gebrauchen war, habe ich mich mit schachtelweise Diclofenac über Wasser gehalten, danach ist das Knie operiert worden, aber die Schmerzen waren so stark, dass ich wochenlang weiter Tabletten eingeschmissen habe.» Der ...

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Tanz November 2009
Rubrik: Praxis, Seite 64
von Dorion Weickmann

Vergriffen
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