Das Bild und seine Geschichte
Ein warmer Wind weht in Tel Aviv, der ehemals weißen Stadt der Träume zionistischer Großväter. Heute ist es trotz allem ein Sehnsuchtsort für Lebenshungrige aus aller Welt, die ihr Vergnügen am Grenzweg zwischen subakuter Gefahr und kollektiver Entspanntheit suchen. Das Meer ist überall nah, früh bricht die Dämmerung herein, jede Straße ist erfüllt von Lärm – perfekt für die Rituale der israelischen Performance-Formation Public Movement.
Es mag angesichts der Nähe zu Gaza, die uns die Nachrichten suggerieren, wie ein Hohn erscheinen, wenn sie hier stramm aufmarschieren, junge Männer und Frauen mit ernsten Gesichtern, und sich im Brachland zwischen Strand, Kreisverkehr und glitzernden Hochhäusern rund um eine Formation rauen Felsgesteins gruppieren. In einer stillen, seltsam entrückten Zeremonie legen sie sich einzeln auf die Felsbrocken oder klemmen sich in enge Spalten: vermeintlich Verletzte oder Tote in derangierten, verkrüppelten Positionen. Das, damit ihre Kollegen sie «retten», die nun mit minuziös-exakten Handgriffen Trageliegen ausklappen, Bandagen aufrollen und mit blauem Davidstern bedruckte Leichensäcke aufschütteln. In unbeteiligter Zärtlichkeit greifen rettende Hände ...
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Zwei schwitzende Körper im Clinch. Kicks und Sprünge. Ausweichmanöver. Hebungen. Einer stützt sich auf den anderen, stößt sich ab, wird aufgefangen, abgeworfen, rollt sich ab und steht wieder auf. Das Gegenüber wartet schon. Nächste Runde. Zweikampf oder Paartanz? Immer ein bisschen von beidem. Eine Mischung aus Pragmatismus und Hingabe.
Tanz und Kampf sind...
Gerald Siegmund ist seit dem 1. Januar Professor für Tanzwissenschaft in Gießen und gründet nun den nagelneuen Masterstudiengang Choreografie und Performance, Cup genannt. Das zweijährige Studium bietet das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Uni Gießen zusammen mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt an. Gerald Siegmund, auch...
«Der Klassische Tanz ist keine Technik, er ist eine Kunstsprache, erfüllt von Inhalt und Seele» – der Ausspruch Agrippina Vaganovas mag verwundern angesichts dessen, wofür die russische Tänzerin und Ballettpädagogin berühmt geworden ist: ihre umfassende Darstellung des klassischen Bewegungskanons und ein bis ins Detail ausgearbeitetes Unterrichts-System. Dargelegt...
