coup fatal

Alain Platel holt zum symbolischen Todesstoß für Afrika-Klischees aus. Er bleibt dabei allerdings recht zahm, wie die Uraufführung bei den «Wiener Festwochen» verriet

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Der Titel klingt dramatisch: «Coup Fatal», also «Todesstoß». So heißt Alain Platels neue Arbeit, die bei den «Wiener Festwochen» im Burgtheater uraufgeführt wurde. Das Bühnenbild – ein breiter Vorhang aus Schnüren, auf die, wie dem Programm zu entnehmen ist, Patronenhülsen gefädelt sind – verstärkt diese Kriegsmetapher. Versammelt sind: eine 13-köpfige Gruppe von Musikern aus Kinshasa und der kongolesische Countertenor Serge Kakudji, der unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit Faustin Linyekula («The Dialogue Series: III.

Dinozord») und Platel selbst («pitié!») auch in Europa bekannt wurde. Verantwortlich für «Coup Fatal» zeichnen mit Platel und Kakudji auch Fabrizio Cassol und der Gitarrist Rodriguez Vangama.

Das Ergebnis ihrer Liebesmüh ist ein zweistündiges Konzertvergnügen, in dem auffallenderweise keine einzige Frau auftritt. Die von Serge Kakudji ausgewählten und wunderbar weich gesungenen Barockarien wie die Toccata aus Monteverdis «Orfeo» über Antonio Vivaldis «Barbaro traditor» (aus «Bajazet») bis hin zu Händels «Rinaldo» entnommenem Evergreen «Lascia ch’io pianga» werden instrumental neu bearbeitet. Was von der Aufbereitung her ein wenig an die Zeit erinnert, als in ...

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Tanz August/September 2014
Rubrik: produktionen, Seite 22
von Helmut Ploebst

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