Buh!

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«Woher diese Buhrufe?» Das fragt sich der Leitende Kulturredakteur einer nicht eben unbedeutenden Tageszeitung nach dem Besuch eines Stuttgarter Ballettabends. Und er bezieht sich dabei nicht etwa auf die aktuelle Aufführung «Mahler X Drei Meister», die mit einem rekonstruierten «Auszug» aus dem Ballett «Spuren» endet, der letzten Choreografie John Crankos. Nein, er fragt sich das in einem tagespolitisch motivierten Kommentar durchaus beeindruckt: «Woher das legendäre Buhkonzert des Stuttgarter Publikums bei der Uraufführung am 7.

April 1973?» und erinnert sich in diesem Zusammenhang einer großen «Zeit des Verdrängens, des Verleugnens, des Achselzuckens», die die damalige Reaktion des Publikums womöglich erklärt. «Wer hier störte, war links und wollte Umsturz. Ein Buhruf war da noch eine relativ sanfte Reaktion.» Die Antwort auf seine Frage hätte ihm seine eigene Zeitung geben können. Denn in der schrieb der legendäre Ballettkritiker Horst Koegler, dass es nach den «Spuren» noch «uneingeschränkte Zustimmung» gegeben hätte, Buhrufe gab es seinerzeit nach «Green». Schon damals dachte Koegler laut nach: «Wäre auch gebuht worden, wenn statt des eher banalen Debussy-Balletts das ...

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Tanz März 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Hartmut Regitz

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