brigitte lefevre

Audienz bei «Gott»: Das Ballett der Pariser Opéra wird regiert von ihrem leichgewichtssinn.

Tanz - Logo

Repräsentative Chefbüros protzen gern mit viel Glas, viel Chrom, viel Weiß und edel furniertem Mobiliar. Nichts davon im Dachgeschoss des Pariser Palais Garnier, auf dem Olymp der Tanzwelt sozusagen, dort, wo «Gott» persönlich logiert.

So nennen die Tänzer des Opernballetts halb ehrfürchtig, halb spaßig ihre Prinzipalin, Brigitte Lefèvre, deren Hauptquartier ein Mansardenstübchen ist: Im Bullaugenfenster, das nach Montmartre glotzt, kauert ein betagter Wasserkocher; auf dem Marmorsims über der Heizung drängeln sich halb leere Kosmetikflakons; ein Teppich aus Tänzerfotos tapeziert die nördliche, eine Ballets-Russes-Collage die südliche Zimmerwand, und überall türmen sich Bücher wie ein gigantisches Gebirgsmassiv.

Mittendrin thront ein runder Tisch, der die Hälfte des Zimmers vereinnahmt und das eigentliche Schreibpult ins Abseits drängt. Dieses Arrangement verrät: Brigitte Lefèvre ist keine Einzelgängerin mit Hang zu einsamen Entscheidungen, sondern waltet ihres Amtes im Schulterschluss mit denen, die sie zu ihrer «engsten Equipe» zählen: «Ein Zar wie Rudolf Nurejew bin ich sicher nicht.»

In Strickpulli und legerer schwarzer Hose, die slipperbeschuhten Beine salopp ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2011
Rubrik: menschen, Seite 18
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
essen: oblivia «entertainment island»

Eine Frau joggt auf der Stelle, tapp, tapp, tapp. «Well, well, well!», ruft ein Mann mit Hut ihr zu. «Look at you! You’re looking good!» Mit einem langsamen Ausfallschritt steigert er seine Begeisterung, reckt die Hände zur Decke, während sie ihre Hochleistungsperformance intensiviert. Am Rand der Spielfläche wartet eine zweite Frau auf ihren Einsatz, auf ihren...

unisono

«Wir sind mehrere, doch wir fühlen uns wie ein Körper.» Das klingt nach Nirwana. Einfach romantisch. Fast wie ein Grundbedürfnis des Menschen. Einer Gruppe angehören, in der Gemeinschaft aufgehen und sein Glück dann allen zeigen, im Takt, im Gestus, in Harmonie. Stellvertretend für den Zuschauer auf einer Bühne durchleben, wovon das Publikum vielleicht unbewusst...

sport und tanz: powertraining....

Er könnte Berge versetzen. William Forsythe hat das auf seine Weise schon immer getan. Obschon in einem Alter, in dem andere kräftemäßig eher abbauen, besitzt er dazu wieder das notwendige Potenzial. Zweihundert Kniebeugen am Tag, das ist durchaus im Bereich des Menschlich-Möglichen. Ein Wurf mit dem schweren Medizinball aus der Hocke: soll ihm erst mal einer...