Brief aus Kabul
Natürlich gibt es keinen Tanz in Afghanistan. «Der Islam. Das müssen Sie verstehen», sagt Mohammad Azim Hussainzadah, Leiter der Theaterabteilung an der Kabul Universität. «Gibt es eine Stelle im Koran, die den Tanz verbietet?» «Nein», sagt der Mitausrichter des 4. Afghanischen Theaterfestivals, gemeinsam mit dem Goethe-Institut Kabul stolzer Zusammenführer aller Performer aus 18 afghanischen Provinzen. «Warum aber tanzen sie so viel in ihren Stücken?», frage ich den akademischen Kopf der Theaterblüte.
«Nur aus Freude», schluckt der Mann, der plötzlich so entstolzt wirkt, als würde er, wenn dieses Gespräch veröffentlicht ist, zu den gefährdeten Arten gehören. Gehört er nicht. Afghanen, dreißig Jahre lang kriegsüberlebt, tanzen, wie es Allah gefällt: auch auf der Bühne. Natürlich kein Ballett: Das hat mehr koloniale als religiöse Gründe. Auch kein Tanztheater, weil Tanz nichts als Gott erfreuen kann. Klar ist es schwer, rechts vom tanzabstinenten Iran gelegen, nicht links von der Tanzlust aus indischer Wurzel im Nachbarland Pakistan angesteckt zu werden. Die wenigen Momente zwischen Krieg, Armut, Unterdrückung durch die Taliban und rachedurstigem Terror fordern körperliche ...
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