Brice Asnar «Hīeran [Hören]»
Nicht immer nur Reden, sondern auch mal Zuhören – darum soll es in Brice Asnars erster choreografischer Arbeit für das Ballett Cottbus gehen. Der Titel «Hīeran» verweist auf das altenglische Wort für Hören und damit auf eine frühere Form dieser Praxis, die uns heute laut Asnar abhandengekommen ist. Nicht so im Theater, ist das Publikum dort doch gezwungenermaßen auf Empfang gestellt. Aber ist Tanz die ideale Kunstform, um das Hören zu erkunden? Bei der Premiere Anfang Mai hört man das Ensemble lediglich hin und wieder atmen.
Die Geräusche der Bewegungen der Tänzer*innen werden geschluckt von einem samtigen Teppich auf der Kammerbühne des Staatstheaters. Doch auch ohne, dass wir sie hören können, erzählen die Tänzer*innen eine Menge in der knappen Stunde, die das Stück dauert.
Düster und vernebelt startet es, düster bleibt es bis zum Schluss. Zu einer Klangcollage aus verschiedenen Filmmusiken, atmosphärischen Sounds, Pop-Balladen und dem zweiten Satz aus Beethovens Streichquartett Nr. 1 in F-Dur, zeichnet Asnar zahlreiche Bilder unserer verkümmerten Kommunikationskultur. Uniform gekleidet in dunkelblaue (Hosen-) Röcke, Rollkragenshirts und Westen (Kostüme: Louise Flanagan) agiert ...
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Tanz 2025
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Johanna Rau
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