Brice Asnar «Hīeran [Hören]»

Cottbus

Tanz - Logo

Nicht immer nur Reden, sondern auch mal Zuhören – darum soll es in Brice Asnars erster choreografischer Arbeit für das Ballett Cottbus gehen. Der Titel «Hīeran» verweist auf das altenglische Wort für Hören und damit auf eine frühere Form dieser Praxis, die uns heute laut Asnar abhandengekommen ist. Nicht so im Theater, ist das Publikum dort doch gezwungenermaßen auf Empfang gestellt. Aber ist Tanz die ideale Kunstform, um das Hören zu erkunden? Bei der Premiere Anfang Mai hört man das Ensemble lediglich hin und wieder atmen.

Die Geräusche der Bewegungen der Tänzer*innen werden geschluckt von einem samtigen Teppich auf der Kammerbühne des Staatstheaters. Doch auch ohne, dass wir sie hören können, erzählen die Tänzer*innen eine Menge in der knappen Stunde, die das Stück dauert.

Düster und vernebelt startet es, düster bleibt es bis zum Schluss. Zu einer Klangcollage aus verschiedenen Filmmusiken, atmosphärischen Sounds, Pop-Balladen und dem zweiten Satz aus Beethovens Streichquartett Nr. 1 in F-Dur, zeichnet Asnar zahlreiche Bilder unserer verkümmerten Kommunikationskultur. Uniform gekleidet in dunkelblaue (Hosen-) Röcke, Rollkragenshirts und Westen (Kostüme: Louise Flanagan) agiert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz 2025
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Johanna Rau

Weitere Beiträge
Vermischtes 6/25

Körper und Stadt
«TRANSVERSAL TERRITORY»

Dass unser Umfeld nicht um uns ist, sondern in und mit uns, ist eine Binsenwahrheit. Im Kopf. Wie aber findet diese Erkenntnis in den Körper? Wie kann Umwelt-Sensibilität gefördert werden? Und wie können wir unsere Umfeld-Sensibilität so pflegen, dass wir den Ort, den wir bewohnen, neu erfahren? Das untersuchen die Ärztin...

Ausstellung tanz 6/25

PARA-MODERNE

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich vor allem in Deutschland und der Schweiz ein zunehmendes Unbehagen an Industrialisierung, Urbanisierung und Materialismus. Immer mehr Menschen sehnten sich nach einer Rückkehr zur Natur und waren bereit, dafür Einschränkungen auf sich zu nehmen – verschiedene Lebensreform-Bewegungen entstanden, teils...

Geduldsmensch

Wandelbar. Das ist das erste Wort, das Duosi Zhu einfällt, wenn sie an Christian Bauch denkt. Beide sind Solisten am Ballett der Semperoper in Dresden, Bauch sogar Erster Solist. Seit mehr als zehn Jahren arbeiten sie inzwischen zusammen, haben entsprechend viele Rollen gemeinsam getanzt. Man darf wohl sagen: Zhu weiß, von wem sie redet. Aaron Watkins, bis zur...